Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat die Turkstaaten zur Ausweitung ihrer wirtschaftlichen und logistischen Zusammenarbeit aufgerufen. „Wir können die turksprachige Welt zu einem wichtigen Handels-, Verkehrs- und Energiezentrum machen“, sagte Erdoğan am Freitagmorgen beim 13. Gipfeltreffen der Organisation Turkstaaten (OTS) in Ankara. Dabei komme dem sogenannten Mittleren Korridor zwischen Asien und Europa eine strategische Bedeutung zu, fügte er hinzu. Zugleich betonte er die Bedeutung der Einheit unter den Turkstaaten. Für „Spaltung und Zwietracht“ sei kein Platz.
Türkiye übernahm bei dem Gipfel den turnusmäßigen Vorsitz der Organisation von Aserbaidschan. Erdoğan kündigte an, die institutionelle Entwicklung der OTS voranzutreiben und insbesondere die Zusammenarbeit in den Bereichen Kultur, Sprache und Reisen zu intensivieren. Die Übernahme des Vorsitzes bezeichnete er als „große Verantwortung“, der Türkiye gerecht werden wolle.
Zudem sprach sich Erdoğan für eine baldige Vollmitgliedschaft Turkmenistans aus. Auch die Beziehungen zur Türkischen Republik Nordzypern (TRNZ) sollten weiter gestärkt werden, forderte der türkische Staatschef.
Zusammenarbeit bei Digitalisierung und Sicherheit
Ein Schwerpunkt der türkischen Präsidentschaft soll nach Erdoğans Angaben die Zusammenarbeit bei künstlicher Intelligenz, Cybersicherheit, digitalem Handel und Weltraumtechnologien sein. Die Mitgliedstaaten könnten ihre Märkte über eine gemeinsame digitale Handelsplattform stärker miteinander verbinden. Außerdem warb Erdoğan für ein gemeinsames Satellitenprojekt und die Entwicklung eines großen KI-Sprachmodells für die Turksprachen der oghusischen, kiptschakischen und karlukischen Sprachgruppen. Die Cybersicherheit sei inzwischen ebenso wichtig wie die Sicherheit zu Land, in der Luft und auf See, sagte Erdoğan. Deshalb sei eine rasche Unterzeichnung und Umsetzung einer Vereinbarung zur Zusammenarbeit auf diesem Gebiet notwendig.
Erdoğan wirbt für Frieden im Südkaukasus und Wiederaufbau in Gaza
Mit Blick auf die regionale Lage unterstützte Präsident Erdoğan die laufenden Gespräche zwischen Aserbaidschan und Armenien. Ein friedlicher und stabiler Südkaukasus eröffne erhebliche Chancen für die gesamte Region und die Turkstaaten.
In Bezug auf die Spannungen mit dem Iran sprach er sich für eine diplomatische Lösung aus. Eine weitere militärische Eskalation müsse vermieden werden, unterstrich er.
Zugleich rief Erdoğan zu mehr Engagement für eine gerechte Lösung der Palästina-Frage auf. Mit Blick auf den Gazastreifen appellierte er an die Turkstaaten, humanitäre Hilfen zu verstärken und eine rasche Einleitung des Wiederaufbaus zu unterstützen. Er bekräftigte zudem seine Unterstützung für einen unabhängigen palästinensischen Staat auf Grundlage der Grenzen von 1967 mit Ostjerusalem als Hauptstadt.
Zum Abschluss lud Erdoğan die Staats- und Regierungschefs zum Klimagipfel COP31 am 11. und 12. November im südtürkischen Antalya ein.



























