In einem Duisburger Kinderheim der Caritas haben zahlreiche Kinder in den 1940er bis 1980er Jahren Schläge, psychische Misshandlung und sexuellen Missbrauch erdulden müssen. Mindestens 38 Betroffene hätten Missbrauch erlitten, 32 Personen seien als Beschuldigte festgestellt worden – darunter Priester, Nonnen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Heims, hieß es am Freitag bei der Vorstellung wissenschaftlicher Studien zur Aufarbeitung des Missbrauchs in Duisburg.
Caritas bittet um Entschuldigung
Julia Schröder vom Vorstand der Caritas Duisburg entschuldigte sich bei einer öffentlichen Veranstaltung mit zahlreichen Betroffenen ausdrücklich für das erlittene Unrecht. Bisher etwa zehn einstige Bewohner hätten Anträge auf Anerkennungsleistungen für ihr Leid gestellt. Dafür seien bisher mehr als 600.000 Euro vom Bistum ausgeschüttet worden. Das Heim existierte von 1946 bis 1983, zu Spitzenzeiten waren dort 160 bis 200 Kinder untergebracht.
Kirchenrechtliche Verfahren gegen die beschuldigten Kleriker fänden sich in den Akten nicht, sagte der Historiker Andreas Henkelmann von der Katholischen Hochschule Paderborn. Auch zu strafrechtlichen Verfahren gebe es keine Informationen, sagte die Rechtsanwältin Bettina Janssen, die den Aufarbeitungsprozess begleitet. Die Straftaten seien verjährt, die Täterinnen und Täter vielfach tot.
Sexuelle Gewalt – im Waschraum und in der Sakristei
Die Ulmer Forensikerin Manuela Dudeck berichtete von 18 ausführlichen Interviews mit Betroffenen, Angehörigen und einigen einstigen Mitarbeitern. Demnach gab es regelmäßige körperliche und sexuelle Gewalt gegen Kinder – teils in der Sakristei der Kirche, in Waschräumen oder während schulischer Nachhilfestunden. Um die Kinder zu sedieren, seien Alkohol und Tabletten eingesetzt worden.
Zur körperlichen Züchtigung zählten demnach routinemäßige Schläge, Kaltwasserduschen und das Einsperren in einem engen Raum. Die Kinder wurden beschimpft, einem Kind, das ins Bett gemacht hatte, wurde das nasse Betttuch vor allen anderen ins Gesicht gedrückt, wie die Wissenschaftlerin aus ihren Interviews berichtete.






















