Nach mehrwöchiger Fahrt von Deutschland ist die „INS Drakon“ israelischen Angaben zufolge am Donnerstag im Hafen der Mittelmeerstadt Haifa eingetroffen. Das vom Kieler Marineschiffbauer TKMS gebaute U-Boot ist das sechste und letzte der Dolphin-Reihe. Mit mehr als 70 Metern Länge ist es das größte U-Boot der israelischen Marine und mit zehn Torpedorohren ausgerüstet.
Israels Präsident Izchak Herzog sprach bei einer Zeremonie zur Ankunft des U-Boots von einer Symbolik, die kaum zu begreifen sei. „81 Jahre nach den Schrecken des Holocaust baut der Nationalstaat des jüdischen Volkes gemeinsam mit Deutschland das ‚Kronjuwel der weltweiten Verteidigungstechnologie.“
Modernisierung der Marine
Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir hatte zuletzt angekündigt, die Marine solle in den kommenden Jahren deutlich modernisiert und ausgebaut werden. Das in Deutschland hergestellte U-Boot sei das erste größere Waffensystem, das im Rahmen eines mehrjährigen Plans namens „Choschen“ zur Marine komme. Ziel sei es, dass die Marine weiter entfernt von Israel, länger und mit größerer Feuerkraft operieren könne.
Die „INS Drakon“ werde „mehr als alles andere den Wandel symbolisieren, den unsere Marine im vergangenen Jahr durchlaufen hat“, sagte Zamir. „Sie ist zu einem starken strategischen Arm geworden, der in der Lage ist, jede Bedrohung im Nahen Osten und sogar darüber hinaus zu erreichen.“
Geheime Technik und lange Überfahrt
Die israelische Wirtschaftszeitung „Calcalist“ schrieb, die „INS Drakon“ sei mit 2.600 Tonnen das größte und schwerste U-Boot, das bisher in israelischen Dienst gestellt werde. Der Antrieb ermögliche es dem U-Boot, länger unter Wasser zu bleiben, ohne Luft von außen aufnehmen zu müssen. Seine konkreten technischen Fähigkeiten seien weitgehend geheim. Das Verteidigungsministerium spreche lediglich von „einzigartigen Systemen“ und „bahnbrechenden Technologien“.
Nach der Ankunft in Haifa werde das U-Boot nicht sofort einsatzbereit sein. Zunächst sollten israelische Systeme eingebaut werden, die volle Einsatzbereitschaft werde erst einige Monate später erwartet.
Die gut dreiwöchige Reise von Kiel nach Israel sei unter hoher Geheimhaltung und weitgehend unter Wasser durchgeführt worden, schrieb das Blatt. Grund sei auch die Sorge gewesen, andere Staaten könnten Informationen über das U-Boot sammeln.
Kritik an Lieferung deutscher U-Boote nach Israel
Die Lieferung deutscher U-Boote nach Israel ist ein zentrales Projekt der deutsch-israelischen Rüstungskooperation und läuft bereits seit vielen Jahren. Der Export ist allerdings auch umstritten, weil nach Einschätzung von Experten eine Nachrüstung mit Atomwaffen möglich ist. Zudem stehen deutsche Rüstungsexporte nach Israel wegen des brutalen Vorgehens der israelischen Armee im Gazastreifen grundsätzlich in der Kritik.
Israel hatte nach dem Vergeltungsschlag der Hamas am 7. Oktober 2023 einen Vernichtungskrieg in Gaza gestartet. Am 10. Oktober 2025 trat eine Waffenruhe auf Grundlage des US-Friedensplans in Kraft, die jedoch immer wieder von Israel gebrochen wird.
Laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium tötete Israel seit Oktober 2023 mehr als 73.910 Menschen in Gaza und verletzte mindestens 174.952 weitere.
Deutschland als zweitgrößter Waffenlieferant Israels
Deutschland ist nach den USA der zweitgrößte Waffenlieferant Israels. Allein im ersten Halbjahr 2026 wurden Rüstungsexporte nach Israel im Wert von fast 800 Millionen Euro genehmigt. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, über die der „Spiegel“ berichtete. Die zwischen Januar und Juni ausgestellten Exportgenehmigungen entsprachen demnach dem vierfachen Gesamtwert des Vorjahreszeitraumes (rund 201 Millionen Euro).
Im August 2025 hatte die Bundesregierung die Ausfuhr von Waffen ausgesetzt, die im Gazastreifen eingesetzt werden könnten. Anlass war Israels Beschluss, seine Angriffe auf die palästinensische Enklave auszuweiten und Gaza-Stadt zu besetzen. Im November hob die Bundesregierung die Beschränkungen wieder auf.
IGH-Verfahren: Nicaragua wirft Deutschland „Beihilfe zum Völkermord“ vor
Deutsche Rüstungsexporte nach Israel sind auch Gegenstand eines Verfahrens vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH). Nicaragua wirft Deutschland vor, mit Waffenlieferungen an Israel gegen seine Verpflichtungen aus der Völkermordkonvention und dem humanitären Völkerrecht zu verstoßen. Berlin weist die Vorwürfe zurück und hat beantragt, die Klage abzuweisen. Der Fall zeigt zugleich die völkerrechtliche Brisanz deutscher Waffenlieferungen vor dem Hintergrund des israelischen Vernichtungskrieges in Gaza.






















