Altbundespräsident Joachim Gauck hält nichts von einem möglichen Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zum jetzigen Zeitpunkt. „Wenn er das jetzt machen wollte, dann wäre er ja ein politischer Volltrottel“, sagte der 86-Jährige am Donnerstag im „Spiegel“-Spitzengespräch. „Das wäre wirklich total schädlich. Weil da ein Restvertrauen, ganz besonders bei denen, die ihn gewählt haben, schwer leiden würde, noch mehr minimiert würde.“
Gauck beteuerte, er wolle nicht auf Merz „eindreschen“. Angesichts „so vieler Feinde der liberalen Demokratie“ dürfe die Kritik nicht überzogen werden, als wäre „die demokratische Mitte nicht mehr imstande zu führen“. „Dann gehen wir zu weit.“
Abgewählt schon vor dem Regieren
Gauck räumte zugleich einen „eklatanten Widerspruch“ zwischen früheren Aussagen des Kanzlers und dessen späterem Handeln ein. Er sei sich „zu 100 Prozent sicher“, dass „unglaubliche Kämpfe“ in Merz' Kopf abspielten. Der Kanzler habe viel Kritik gehört, auch aus den eigenen Reihen. „Der Mann will ja dem Land nicht schaden, sondern will dem Land dienen und nützen“, sagte Gauck. Mutige Ansagen seien zunächst gut. Wenn daraus zu wenig folge, liege das nicht nur an den Schwierigkeiten innerhalb einer Koalition.
Auch die Medien hätten Merz verunsichert, sagte Gauck zu „Spiegel“-Journalist Markus Feldenkirchen. „Eure Zunft, ja, die lieben Journalisten, haben den Mann auch natürlich kräftig verunsichert.“ Politiker müssten das zwar aushalten. Merz sei aber „von der Zunft schon runtergeschrieben“ worden, bevor er überhaupt angefangen habe zu regieren.























