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Ärzte ohne Grenzen: Israel nutzte „Wasser als Waffe“ in Gaza
Israel hatte monatelang die Einfuhr von Nahrungsmitteln und Wasser in den Gazastreifen verboten und auch die Wasserversorgung weitgehend zerstört. Ärzte ohne Grenzen spricht von einer systematischen „Kollektivbestrafung“ und „Völkermord“.
Ärzte ohne Grenzen: Israel nutzte „Wasser als Waffe“ in Gaza
Foto: Abed Rahim Khatib/AA

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) wirft Israel vor, Wasser im Gazastreifen als Waffe genutzt zu haben. Der Zugang zu Wasser sei den Menschen „als Kollektivbestrafung“ systematisch vorenthalten worden, heißt es in einem Bericht der Organisation. Das israelische Militär weist solche Vorwürfe zurück, obwohl sie mit Aussagen anderer Hilfsorganisationen übereinstimmen. 

Die israelischen Behörden hätten fast 90 Prozent der Wasser- und Abwasserinfrastruktur systematisch zerstört oder beschädigt, darunter Entsalzungsanlagen, Bohrlöcher, Pipelines und Kanalisation. Der Bericht bezieht sich auf den Zeitraum seit Beginn des israelischen Vernichtungskrieges in Gaza im Oktober 2023 bis Ende 2025. 

„Die israelischen Behörden begehen einen Völkermord, der durch die Untätigkeit der internationalen Gemeinschaft ermöglicht wird“, heißt es in dem Bericht „Wasser als Waffe“.

MSF: Einfuhr von Ersatzteilen behindert

Das Militär habe die Einfuhr von Material zur Wasserversorgung konsequent blockiert, sagt MSF-Notfallmanagerin Claire San Filippo. Jeder dritte MSF-Antrag, etwa Reparaturmaterial, Generatoren oder Motoröl einzuführen, sei abgelehnt oder ignoriert worden. MSF habe dokumentiert, wie das israelische Militär auf deutlich markierte Wassertransporter geschossen und Bohrlöcher für Grundwasser zerstört habe. Menschen seien an Wasserausgabestellen getötet und verletzt worden. MSF ist nach eigenen Angaben nach den örtlichen Behörden der zweitgrößte Produzent und ein wichtiger Lieferant von Wasser im Gazastreifen. 

Israel weist Angaben zurück

Noch vor Veröffentlichung des Berichts behauptete das israelische Militär: „Entgegen den Behauptungen blockiert der Staat Israel die Wasserversorgung des Gazastreifens nicht und setzt sich grundsätzlich dafür ein, die Wasserversorgung des Gazastreifens zu ermöglichen und zu erleichtern.“ Vier Wasserleitungen seien zurzeit in Betrieb und würden angeblich kontinuierlich gewartet und bei Bedarf repariert. Zudem würden zwei Entsalzungsanlagen von Israel mit Strom versorgt. Außerdem sollen angeblich dutzende Brunnen und Wasserpumpanlagen auf Antrag internationaler Organisationen mit Treibstoff versorgt werden. 

Israel hatte vergangenes Jahr von Anfang März bis Mitte Mai alle Wege für humanitäre Hilfslieferungen nach Gaza gesperrt, was zu einer Hungersnot führte. Auch vorher kam kaum humanitäre Hilfe in den Gazastreifen.

Der Einsatz von Hunger als Kriegswaffe verstößt gegen das Völkerrecht und wird als Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit bewertet.

Israel tötete mehr als 815 Palästinenser trotz Waffenruhe

Israel hatte nach dem Vergeltungsschlag der Widerstandsorganisation Hamas am 7. Oktober 2023 einen Vernichtungskrieg in Gaza gestartet. Am 10. Oktober trat eine Waffenruhe auf Grundlage des US-Friedensplans in Kraft, die jedoch immer wieder gebrochen wird. 

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden während der Waffenruhe mindestens 818 Palästinenser getötet. Demnach tötete Israel seit Oktober 2023 mehr als 72.590 Menschen in Gaza und verletzte mindestens 172.404 weitere.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen