WIRTSCHAFT
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Sparen statt kaufen - Konsumlaune bleibt schwach
Elf Prozent der Menschen sagen, sie könnten sich keinen neuen Kühlschrank leisten. Die Tendenz, Geld zusammenzuhalten, ist weiter hoch, die Lust auf größere Ausgaben gering.
Sparen statt kaufen - Konsumlaune bleibt schwach
Sparen statt kaufen - Konsumlaune bleibt schwach / Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Die Deutschen müssen weiterhin ihr Geld zusammenhalten, für größere Ausgaben außer der Reihe ist kaum Spielraum. Wenn das regelmäßige Haushaltseinkommen wegfällt, reichen die finanziellen Reserven vieler Menschen in Deutschland nur wenige Wochen, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Debeka-Versicherung ergab. Auch die Konsumklima-Studie der Nürnberger Institute GfK und NIM geht in eine ähnliche Richtung: Die Sparneigung der Verbraucher sinkt nur leicht, die Anschaffungsneigung – also die Bereitschaft für größere Konsumausgaben – geht ebenfalls zurück.

Nur die Hälfte hält drei Monate durch

Laut der Debeka-Studie können nur 51 Prozent der erwachsenen Bürger mindestens drei Monate lang ihre laufenden Ausgaben decken. 22 Prozent halten nur einen Monat lang durch, während ein knappes Viertel (23 Prozent) auch ein halbes Jahr überbrücken könnte. Rentner wurden bei dieser Fragestellung nicht berücksichtigt.

Auch einzelne Rechnungen überforderten viele Haushalte, heißt es in den Ergebnissen. Eine unerwartete Ausgabe von 3.000 Euro könnten 37 Prozent der Befragten nach eigener Einschätzung nicht kurzfristig bezahlen, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Vor allem jüngere Menschen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren sehen sich dazu nicht in der Lage. Nur etwa jeder Siebte wäre allerdings bereit, notfalls an die Altersvorsorge zu gehen.

Elf Prozent können keinen neuen Kühlschrank kaufen

Das Institut Yougov befragte seinerseits Menschen in Deutschland, ob sie sie sich aus dem Stand einen neuen Kühlschrank leisten könnten, wenn ihr bisheriges Gerät kaputt ginge. Mit 51 Prozent antwortete nur gut die Hälfte, dies sei problemlos möglich. 21 Prozent sagten, sie müssten sich dann im Alltag einschränken, zehn Prozent müssen sich sogar sehr stark einschränken und elf Prozent antworteten, eine Neuanschaffung wäre auf die Schnelle gar nicht möglich.

Laut der Debeka-Studie reagieren unter finanziellem Druck die meisten Menschen zuerst mit Sparen am eigenen Konsum: 54 Prozent nennen das Reduzieren von Ausgaben als Maßnahme. Die langfristige Absicherung bleibe hingegen weitgehend unangetastet. Nur 14 Prozent würden bei einer größeren finanziellen Belastung ihre Sparbeiträge oder ihre Vorsorge reduzieren.

Stimmung unter Vorjahresniveau

„Insgesamt bleibt die Konsumstimmung deutlich unter dem Vorjahresniveau“, konstatieren die Nürnberger Forscher. Zwar stiegen die Erwartungen hinsichtlich der Konjunktur – immerhin prognostizieren die Wirtschaftsforscher wieder Wachstum – und auch die Sparneigung geht leicht zurück. Dafür gehen die Anschaffungsneigung und wegen der Inflationsängste auch die Einkommenserwartungen zurück. Diese waren vor einem Monat regelrecht eingebrochen und gaben nun abermals leicht nach.

Skepsis beim Blick in den Geldbeutel

„Die Verbraucher blicken zwar zunehmend optimistischer auf die wirtschaftliche Entwicklung, doch beim Blick in den eigenen Geldbeutel überwiegt weiterhin die Skepsis“, sagte der NIM-Konsumexperte Rolf Bürkl als Kommentar zur aktuellen Konsumklimastudie für den November, die bereits seit 1974 regelmäßig erhoben wird. Der erneut eingeführte Tankrabatt verbessere die Gesamtsituation nicht signifikant.

„Wachsende Inflationssorgen und verhaltene Einkommensaussichten bremsen die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen, auch wenn die Sparneigung etwas sinkt“, sagte Bürkl. „Die Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung ist da, aber die Bereitschaft, mehr Geld auszugeben, zieht bislang noch nicht mit.“

QUELLE:DPA