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Richtungsentscheidung in Israel: Wahllokale öffnen für Parlamentswahl
Kampf um die Macht in Israel: Netanjahu steht unter Druck, die Opposition hofft auf einen Machtwechsel. Umfragen deuten auf ein enges Rennen ohne klare Mehrheitsverhältnisse hin.
Richtungsentscheidung in Israel: Wahllokale öffnen für Parlamentswahl
Foto: Leo Correa/AP

In Israel hat die erste Parlamentswahl seit Ausbruch des Gaza-Krieges im Oktober 2023 begonnen. Am Dienstagmorgen um 07.00 Uhr (Ortszeit, 06.00 Uhr MEZ) öffneten die Wahllokale des Landes. Die Abstimmung gilt als Richtungswahl über die künftige Ausrichtung Israels. Zwar hat die Opposition gute Chancen, die amtierende Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu abzulösen. Allerdings wird ein enges Rennen erwartet. Mit ersten Hochrechnungen wird nach Schließung der Wahllokale um 22.00 Uhr (Ortszeit, 21.00 Uhr MEZ) gerechnet.

Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Mehr als eine halbe Million junge Menschen sind als Erstwähler registriert. Umfragen zufolge ordnen sie sich mehrheitlich dem Mitte-rechts-Spektrum oder dem rechten politischen Lager zu. Schätzungen zufolge sind zudem Zehntausende Israelis aus dem Ausland angereist, um an dieser wichtigen Wahl teilzunehmen.

Laut den meisten Umfragen kommen weder der rechtsreligiöse Block von Regierungschef Netanjahu noch das Mitte-rechts-Bündnis seines aussichtsreichsten Herausforderers Gadi Eisenkot eine absolute Mehrheit von 61 Knesset-Sitzen. Demnach erreichen Eisenkots neu gegründete Partei Jaschar (Geradeaus) sowie die weiteren wichtigsten Oppositionsparteien etwa 50 bis 52 Sitze. Der Oppositionsblock liegt damit gleichauf mit Netanjahus Bündnis aus rechten und rechtsextremen Parteien. Beiden Blöcken fehlen rund zehn Abgeordnete für eine Mehrheit.

In der Vergangenheit gab es bei Regierungsbildungen in Israel immer wieder überraschende Wendungen, wenn etwa Abgeordnete die Partei wechselten. Zwei neue rechte Parteien könnten zum Zünglein an der Waage werden, falls sie die 3,25-Prozent-Hürde für den Einzug in die Knesset erreichen. 

Sollte es keinem Block gelingen, sich 61 Sitze zu sichern, ist eine Minderheitsregierung eine Option. In diesem Szenario könnten die beiden israelisch-arabischen Listen – die Vereinigte Liste und Raam – eine entscheidende Rolle spielen. Sie kommen laut Umfragen auf zwölf bis 14 Abgeordnete, die der Regierung bei Abstimmungen eine Mehrheit verschaffen könnten. 

Netanjahu ist der am längsten amtierende Ministerpräsident Israels. Der 77-Jährige tritt nach insgesamt mehr als 19 Jahren als Regierungschef erneut als Spitzenkandidat seiner konservativen Likud-Partei an. Netanjahu steht unter anderem wegen des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges gegen den Iran und des seit drei Jahren andauernden Vernichtungskriegs in Gaza massiv unter Druck. 

Eine Mehrheit der Israelis macht ihn für das Versagen der israelischen Sicherheitskräfte bei dem Vergeltungsanschlag der palästinensischen Widerstandsorganisation Hamas am 7. Oktober 2023 verantwortlich. Widerstandskämpfer verschiedener Gruppen hatten damals rund 250 Israelis in den besetzten Gebieten gefangen genommen. Mehrere Israelis in Gaza wurden bei Angriffen des israelischen Militärs getötet.

Israel begann nach dem Vergeltungsschlag der Hamas einen Vernichtungskrieg in Gaza. Viele Experten und Menschenrechtsorganisationen stufen diesen als Genozid ein. Am 10. Oktober 2025 trat eine Waffenruhe auf Grundlage des US-Friedensplans in Kraft, die jedoch immer wieder von Israel gebrochen wird. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden während der Waffenruhe 1.538 Palästinenser getötet. Demnach tötete Israel seit Oktober 2023 mehr als 74.490 Menschen in Gaza und verletzte mindestens 175.616 weitere. 


QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen