Im Zuge ihrer Annäherung unterhalten Türkiye und Armenien türkischen Angaben zufolge nun wieder direkte Handelsbeziehungen. Der Handel könne seit Montag wieder aufgenommen werden, teilte der Sprecher des türkischen Außenministeriums, Öncü Keçeli, am Mittwoch mit. Beide Länder könnten nun jeweils als „Herkunft und Endbestimmungsort“ der Waren ausgewiesen werden, auch wenn der Handel wegen eines bislang fehlenden funktionierenden Grenzübergangs weiterhin über ein Drittland abgewickelt werde.
Der Sprecher führte aus, dass die „administrativen Vorbereitungen für die Aufnahme des direkten Handels zwischen unserem Land und Armenien seit dem 11. Mai 2026 abgeschlossen“ seien. Diese Schritte seien „im Rahmen des seit 2022 laufenden Normalisierungsprozesses mit Armenien und im Rahmen der getroffenen vertrauensbildenden Maßnahmen“ erfolgt.
In der Praxis bestehen bereits Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern. Der Handel wird insbesondere über Georgien abgewickelt. „Die für die Öffnung der gemeinsamen Grenze zwischen den beiden Ländern erforderlichen technischen und administrativen Arbeiten sind noch im Gange“, erklärte Keçeli.
Diese Ankündigung markiert einen neuen Schritt auf dem Weg zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Ankara und Jerewan. Diplomatische Beziehungen unterhalten die beiden Länder noch nicht, ihre Anfang der 1990er-Jahre kurzzeitig geöffnete Landgrenze ist weiterhin geschlossen.
Im Juni vergangenen Jahres hatte Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Istanbul getroffen. Erst kürzlich einigten sich beide Länder im Zuge ihres Normalisierungsprozesses, gemeinsam eine mittelalterliche Grenzbrücke zu restaurieren. Angesichts der „historischen Chance, dauerhaften Frieden und Wohlstand im Südkaukasus zu festigen“, werde Türkiye „weiterhin zur Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen und zur Förderung der Zusammenarbeit in der Region beitragen“, erklärte Keçeli am Mittwoch.
Das Verhältnis zwischen Armenien und Türkiye ist historisch belastet. Ankara weist vehement die Bezeichnung „Völkermord“ in Bezug auf die Vorfälle rund um die Armenier-Frage im Osmanischen Reich im Jahr 1915 zurück. Vielmehr spricht Ankara von einer Tragödie für Türken und Armenier. Die türkische Regierung hat hierzu wiederholt die Errichtung einer türkisch-armenischen Historikerkommission unter der Aufsicht internationaler Experten vorgeschlagen, um das Thema aufzuarbeiten. Bisher kam diese jedoch nicht zustande.
Veränderte Allianzen
Die Annäherung zwischen den beiden Nachbarländern erfolgt auch vor dem Hintergrund sich verändernder Allianzen in der Region: Die Beziehungen zwischen Armenien und seinem traditionellen Verbündeten Russland hatten sich nach dem Berg-Karabach-Konflikt 2023 abgekühlt, weil dort stationierte russische Soldaten nicht in den Konflikt mit Aserbaidschan eingegriffen hatten. In der Folge näherte sich Armenien an die EU an.
Auch mit Aserbaidschan einigte sich Armenien unter Vermittlung von US-Präsident Donald Trump darauf, den jahrzehntelangen Konflikt zwischen beiden Kaukasusstaaten dauerhaft beizulegen. Aserbaidschan, ein enger Verbündeter Türkiyes, hatte 2023 in einer Militäroffensive die umkämpfte Region Berg-Karabach unter seine Kontrolle gebracht.























