Nach einem israelischen Luftangriff auf den Flughafen von Sanaa hat der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe im Jemen Angaben zurückgewiesen, dass die Einrichtung militärischen Zwecken diene. Der Flughafen in der jemenitischen Hauptstadt sei „ein ziviler Ort, der von den Vereinten Nationen genutzt wird“, sagte Julien Harneis am Freitag per Videokonferenz aus dem Jemen zu Reportern.
Der Flughafen werde „vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz genutzt, er wird für zivile Flüge genutzt - das ist sein Zweck“, sagte Harneis weiter. Der UN-Koordinator war am Donnerstag zum Zeitpunkt der Bombardierung selbst vor Ort gewesen. Neben ihm hielten sich auch der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, und 18 weitere UN-Mitarbeiter dort auf.
„Die Konfliktparteien haben die Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie keine zivilen Ziele angreifen", fügte er hinzu. „Diese Verpflichtung liegt bei ihnen, nicht bei uns. Wir müssen nicht beweisen, dass wir Zivilisten sind.“
Harneis sagte, der Flughafen sei „absolut lebenswichtig" für die Fortsetzung der humanitären Hilfe im Jemen. „Wenn dieser Flughafen nicht mehr funktioniert, werden die humanitären Einsätze lahmgelegt.“
Am Donnerstag hatte Israel den internationalen Flughafen der Hauptstadt Sanaa, mehrere Kraftwerke und Hafenanlagen bombardiert. Der Huthi-Miliz zufolge wurden dabei sechs Menschen getötet. Als Reaktion griffen die Huthis am Freitag nach eigenen Angaben den Flughafen Ben Gurion nahe Tel Aviv an und zielten mit Drohnen auf die Stadt.
Huthis reagierten auf Israels Luftangriffe auf Kraftwerke
Israel hatte am 19. Dezember die jemenitische Hauptstadt Sanaa und die Hafenstadt Hudaida aus der Luft angegriffen. Laut dem jemenitischen Sender Al-Masirah wurden dabei zwei Kraftwerke getroffen. Mindestens neun Menschen wurden den Berichten zufolge getötet.
Die Huthi-Rebellen reagierten zwei Tage später mit einem Raketenangriff, den die israelischen Luftabwehrsysteme nicht abfangen konnten. Die Rakete schlug in der Region Tel Aviv ein und verletzte 20 Menschen, wie die israelische Tageszeitung Haaretz berichtete. Wenige Tage später bekannte sich die jemenitische Miliz zudem zu einem Drohnenangriff auf zwei militärische Ziele in Tel Aviv und Aschkelon.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte danach gedroht, die Huthis würden dafür „teuer bezahlen“. Am Donnerstag erklärte Netanjahu, sein Land werde seine Angriffe auf den Jemen fortsetzen, bis „die Aufgabe erledigt“ sei. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz drohte, Israel werde „alle Huthi-Anführer jagen“ und „enthaupten“.
Die Situation zwischen den Huthis und Israel ist äußerst angespannt und droht immer wieder zu eskalieren. Anfang Januar hatten die USA und Großbritannien den Jemen angegriffen – nach Drohnen- und Raketenangriffen der Huthis auf internationale Schifffahrtswege im Roten Meer. Die Angriffe der jemenitischen Gruppe auf Schiffe pro-israelischer Staaten begannen im November 2023 als Reaktion auf Israels Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser in Gaza. Seitdem können israelische Handelsschiffe aus Sicherheitsgründen den Suezkanal nicht passieren und müssen die viel längere Route um Afrika nehmen.