Podiumsdiskussion „Eine gerechtere Welt ist möglich“ in London gestartet. / Foto: AA (AA)
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Experten, politische Entscheidungsträger und Vertreter der Zivilgesellschaft sind in London bei einer internationale Podiumsdiskussion zusammengekommen, um über globale Fragen zu diskutieren. Die Veranstaltung unter dem Motto „Eine gerechtere Welt ist möglich“ findet im Queen Elizabeth II Centre gegenüber dem britischen Parlament statt. In seiner Eröffnungsrede rückte der türkische Kommunikationsdirektor Fahrettin Altun zentrale Themen wie Menschenrechte, Gerechtigkeit und Medienethik in den Vordergrund.

Unter den Rednern befinden sich renommierte Persönlichkeiten wie der Präsident des US Middle East Project, Daniel Levy, der jüdische Historiker Avi Shlaim, die ehemalige Außenministerin Südafrikas, Naledi Pandor, sowie der türkische Schauspieler Sinan Albayrak.

Kritik am internationalen System

Der türkische Botschafter im Vereinigten Königreich, Osman Koray Ertaş, rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, entschlossene Schritte gegen die Versäumnisse des nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffenen globalen Systems zu unternehmen. Ertaş wies darauf hin, dass die bestehenden Strukturen zunehmend unfähig seien, aktuelle globale Herausforderungen zu bewältigen. „Die nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte internationale Ordnung wird ironischerweise von jenen Akteuren auf die Probe gestellt, die sie einst entworfen haben“, betonte er.

Als Beispiel für die Unzulänglichkeiten globaler Institutionen nannte Ertaş die schlaffe Reaktion auf die Covid-19-Pandemie: „Eine der größten Krisen der modernen Geschichte gefährdete Millionen von Menschenleben, doch der UN-Sicherheitsrat benötigte ganze 100 Tage, um eine Resolution zu verabschieden.“ Der Botschafter kritisierte zudem die selektive Wahrnehmung humanitärer Krisen durch die internationale Gemeinschaft: „Das weltweite Entsetzen über humanitäres Leid ist selektiv. Über das Massaker in Sudan, Somalia oder Myanmar hört man kaum etwas.“

Mit Blick auf die Situation in Palästina verurteilte Ertaş Vorschläge zur weiteren Vertreibung der Palästinenser und unterstrich die türkische Solidarität mit dem palästinensischen Volk: „Türkiye wird weiterhin fest an der Seite unserer palästinensischen Brüder und Schwestern stehen.“

Altun: Grundlegende Reform notwendig

Fahrettin Altun betonte in seiner Videobotschaft die Notwendigkeit einer gerechteren globalen Ordnung. Türkiye glaube „an eine Weltordnung, die auf den Prinzipien der Gerechtigkeit, Inklusivität und Gleichheit basiert“ und setze sich entschieden für diese Vision ein.

Altun machte deutlich, dass die Kapazität internationaler Organisationen, effektive Lösungen für globale Herausforderungen bereitzustellen, zunehmend infrage gestellt werde. Die mangelnde Legitimität und Inklusivität der UN hätten ihre Fähigkeit geschwächt, Frieden und Sicherheit zu gewährleisten. „In diesem Zusammenhang ist die Aussage unseres Präsidenten, Recep Tayyip Erdoğan – ‚Die Welt ist größer als fünf’ – ein eindringlicher Appell für eine grundlegende Reform des internationalen Systems auf Basis der Gerechtigkeit.“

Avi Shlaim: „Westen ist Komplize des Völkermords“

Der jüdische Historiker Avi Shlaim kritisierte in seiner Rede insbesondere die Rolle Großbritanniens im israelisch-palästinensischen Konflikt. „Dieser Konflikt wurde in Großbritannien geschaffen, doch bis heute hat keine britische Regierung ihre historische Verantwortung für die Tragödie der Palästinenser anerkannt.“

Shlaim verwies auf die Nakba von 1948, bei der rund 750.000 Palästinenser vertrieben wurden. Er betonte, dass Besatzung und Enteignung bis heute andauern, und bezeichnete die israelische Besatzung als „die brutalste und längste militärische Besatzung der modernen Zeit“. Mit Blick auf die jüngste Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs (IGH) sagte Shlaim: „Alles, was Israel seit 1967 im Westjordanland und im Gazastreifen getan hat, ist illegal. Die IGH-Entscheidung mahnt alle Mitgliedstaaten, Maßnahmen gegen Israels Verstöße zu ergreifen.“

Besonders scharf verurteilte er die uneingeschränkte Unterstützung Israels durch westliche Regierungen, insbesondere durch die USA und Großbritannien: „Die amerikanische Regierung ist nicht nur Komplizin israelischer Kriegsverbrechen – sie ist ein zentraler Partner beim Völkermord an den Palästinensern.“ Shlaim stellte fest, dass westliche Regierungen die Rechte der Palästinenser systematisch ignorierten, während sie Israel bedingungslos unterstützten. „Es gibt eine Diskrepanz zwischen westlichen Regierungen und der westlichen Öffentlichkeit. Während die Menschen die Ungerechtigkeit erkennen, stellen sich ihre Regierungen bedingungslos hinter Israel.“

TRT Deutsch
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