TÜRKİYE
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Stratcom-Gipfel: Fidan warnt vor größerem Krieg in Nahost
Die israelische Aggression treibt laut Ankara den Nahen Osten und die gesamte Region an den Rand eines größeren Krieges. Der Iran-Krieg diene „Netanjahus politischem Überleben“, doch den Preis dafür zahle der Rest der Welt, kritisierte Fidan.
Stratcom-Gipfel: Fidan warnt vor größerem Krieg in Nahost
Stratcom-Gipfel: Fidan warnt vor größerem Krieg in Nahost / Foto: AA / AA
vor 4 Stunden

Der türkische Außenminister Hakan Fidan hat vor einer weiteren Eskalation des US-israelischen Angriffskriegs gegen den Iran gewarnt und die Angriffe als völkerrechtswidrig verurteilt. Die anhaltende israelische Eskalation bringe die Region an den Rand eines größeren Krieges, sagte Fidan am Samstag am zweiten Tag des STRATCOM-Gipfels 2026 in Istanbul. „Wir lehnen jedes Szenario ab, das Staaten der Region in einen verheerenden Konflikt hineinzieht“, sagte Fidan. Auch iranische Maßnahmen mit Auswirkungen auf die Golfstaaten trügen dieses Risiko in sich. „Das mag Israels ausgewählter Krieg sein, aber die ganze Welt zahlt den Preis dafür.“

Mit der Dauer des Krieges würden die geopolitischen und wirtschaftlichen Verwerfungen in alarmierendem Tempo zunehmen, fügte der türkische Spitzendiplomat hinzu. Türkiye habe sich von Beginn an gegen diese gefährliche Entwicklung gestellt. 

Zugleich warf Fidan dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vor, den Krieg aus innenpolitischen Motiven heraus voranzutreiben. Es handle sich um einen Krieg, der „Netanjahus politischem Überleben“ diene, dessen Last aber der Rest der Welt trage. Die Krise könne bleibende Wunden hinterlassen – nicht nur in den Städten, sondern auch in den Herzen und im Geiste der Menschen in der Region, betonte der türkische Minister.

Fidan fordert Deeskalation und Diplomatie

Als einzigen Ausweg aus der Krise nannte Fidan „Deeskalation und Diplomatie“. „Dieser sinnlose Krieg muss enden“, fügte er hinzu. Bevor es zu weiterer Zerstörung komme, sich tiefere Feindbilder verfestigten und die Weltwirtschaft irreparablen Schaden nehme, müssten die Kanäle des Dialogs offen bleiben und rasch ergebnisorientierte Verhandlungen beginnen.

Mit Blick auf die jüngsten israelischen Angriffe im Libanon sagte Fidan, Türkiye lehne „Israels expansionistische Politik“ entschieden ab. Ankara setze den hochrangigen Dialog fort, um konkrete Schritte für ein möglichst schnelles Ende des Konflikts auszuarbeiten. Zugleich warnte Fidan davor, diplomatische Bemühungen durch den Kurs Netanjahus entgleisen zu lassen. Das „konstruierte Chaos“ ziele darauf ab, die Staaten der Region „schwach, gespalten und verwundbar“ zu halten.

Internationale Ordnung erfährt „systemischen Bruch“ 

Mit Blick auf das Motto des diesjährigen Stratcom-Gipfels „Brüche im internationalen System: Krisen, Narrative und die Suche nach Ordnung“ sagte Fidan, die Welt erlebe nicht nur eine Phase der Instabilität, sondern einen „systemischen Bruch“. Das internationale System verliere seinen moralischen Kompass, seine Kohärenz und seine Legitimität. Krisen blieben dadurch ungelöst, während sich immer stärker die Frage stelle, ob das System überhaupt noch Autorität und Glaubwürdigkeit besitze.

Zugleich sagte Fidan, in der heutigen Welt sei das Schlachtfeld nicht nur physisch, sondern auch auf der Informationsebene. Narrative würden gezielt eingesetzt, um „Wahrnehmungen zu formen, Realität zu rahmen und die Wahrheit zu verschleiern“. Das zeige sich besonders deutlich am israelischen Völkermord in Gaza.

US-israelischer Angriffskrieg gegen den Iran

Israel und die USA hatten am 28. Februar einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran gestartet. Bei landesweiten Luftangriffen wurden mehrere ranghohe Vertreter des Iran getötet, darunter das geistige Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei. Die US-israelischen Angriffe erfolgen auch in zivilen Wohngebieten.

Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums töteten Israel und die USA bisher mindestens 1.937 Menschen im Iran. Mehr als 24.800 Menschen wurden demnach verletzt.

Der Iran reagiert mit Gegenschlägen auf Ziele in Israel sowie Einrichtungen des US-Militärs in Staaten der Golfregion. Offizielle Stellen meldeten bisher mindestens 153 Tote und Tausende Verletzte.

QUELLE:TRT Deutsch