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Berichte über mögliche VW-Rüstungsproduktion für Israel sorgen für Kritik
In Osnabrück wächst der Widerstand gegen mögliche VW-Pläne zur Rüstungsproduktion. Medienberichte deuten auf Gespräche mit israelischen Rüstungskonzernen hin. Mitarbeiter und Anwohner warnen vor verheerenden Konsequenzen.
Berichte über mögliche VW-Rüstungsproduktion für Israel sorgen für Kritik
Berichte über mögliche VW-Rüstungsproduktion für Israel sorgen für Kritik / Foto: Reuters / Reuters
vor 2 Stunden

Berichte über eine mögliche Rüstungsproduktion des Autobauers Volkswagen für Israel haben im niedersächsischen Osnabrück Besorgnis ausgelöst. Hintergrund sind Medienberichte, wonach der Konzern eine Zusammenarbeit mit israelischen Rüstungsunternehmen prüft. Bewohner der Stadt äußerten gegenüber der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag deutliche Kritik an entsprechenden Plänen.

Anwohner machten ihren Unmut auch symbolisch sichtbar: Am Ortseingangsschild mit der Aufschrift „Friedensstadt“ wurde ein Fragezeichen angebracht. Mehrere Bürger erklärten, sie lehnten eine Waffenproduktion in ihrer Stadt grundsätzlich ab.

Ein langjähriger Mitarbeiter des Werks, Paul Streif, sprach sich entschieden gegen eine Umstellung auf Rüstungsproduktion aus. Eine solche Entwicklung sichere keine Arbeitsplätze, sondern könne zu einer weiteren Eskalation internationaler Konflikte beitragen. Er rief seine Kollegen dazu auf, sich für alternative Beschäftigungsmöglichkeiten einzusetzen.

Auch der frühere VW-Mitarbeiter Serkan Gülşen äußerte Zweifel an der strategischen Ausrichtung des Autobauers. Volkswagen habe bereits zuvor Werke aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten geschlossen, zahlreiche Verträge seien nicht verlängert worden, sagte er. Der Konzern suche nun nach neuen Optionen in einem angespannten wirtschaftlichen Umfeld. In diesem Zusammenhang seien Gespräche über eine mögliche Kooperation mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall geführt worden. Der Osnabrücker Oberbürgermeister habe sich jedoch aus Sorge vor Sicherheitsrisiken gegen entsprechende Pläne ausgesprochen, fügte Gülşen hinzu. Gleichwohl würden die Gespräche offenbar weitergeführt. Für die rund 3.000 Beschäftigten am Standort könnte dies weitreichende Folgen haben, da ein möglicher Partner eigenes Personal einsetzen wolle, warnte er.

Auch aus der Bevölkerung kommt Kritik. Ein Anwohner erklärte, angesichts der Lage im Gazastreifen sei eine Beteiligung an Waffenproduktion für Israel nicht hinnehmbar. Viele Menschen in seinem Umfeld lehnten entsprechende Investitionen ab.

Bericht: Gespräche über Kooperation mit israelischem Rüstungskonzern

Nach Informationen der „Financial Times“ führt Volkswagen Gespräche über eine strategische Partnerschaft mit dem israelischen Rüstungsunternehmen Rafael. Ziel sei es, das Werk in Osnabrück vor einer möglichen Schließung zu bewahren.

Dem Bericht zufolge könnten in dem Werk künftig Komponenten wie Abschusssysteme und Transportfahrzeuge für das Luftabwehrsystem „Iron Dome“ produziert werden. Das Vorhaben werde von der Bundesregierung unterstützt und solle Arbeitsplätze für rund 2.300 Beschäftigte sichern. Volkswagen äußerte sich auf Anfrage von Anadolu bislang nicht zu den Berichten.

QUELLE:TRT Deutsch