Die SPD-Bundestagsabgeordneten Adis Ahmetović und Carmen Wegge fordern laut einem Medienbericht die Bundesregierung auf, mögliche Verbindungen deutscher Staatsbürger zu den sogenannten Sarajevo-Scharfschützen zu prüfen. Es solle unverzüglich geklärt werden, ob deutsche Staatsbürgerinnen oder Staatsbürger in den 90er Jahren am „Scharfschützen-Tourismus“ in der bosnischen Hauptstadt beteiligt gewesen seien. Das verlangten die beiden Politiker laut einem „Spiegel“-Bericht vom Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung.
Dem Bericht zufolge kündigten die Sozialdemokraten an, das Thema noch in der laufenden Woche im Rechtsausschuss des Bundestages zu behandeln und auch den Generalbundesanwalt dazu zu befragen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, stünden schwerste Kriegsverbrechen im Raum, betonen die beiden Abgeordneten in der Erklärung. Diese müssten lückenlos aufgeklärt werden – unabhängig davon, wie lange sie zurücklägen. Dabei verweisen sie laut „Spiegel“ ausdrücklich auf das Weltrechtsprinzip, das auch Deutschland in die Verantwortung nehme. Zudem verlangen Ahmetović und Wegge eine Prüfung der Hinweise auf eine mögliche Rolle des serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić. Es kursieren Mutmaßungen, Vučić sei als Kriegsfreiwilliger in die damaligen Aktivitäten involviert gewesen.
Italienischer Autor vermutet Täter in Deutschland
Wohlhabende Hobby-Scharfschützen aus Westeuropa sollen während des Bosnienkrieges zwischen 1993 und 1995 in Sarajevo auf Menschenjagd gegangen sein – vorzugsweise an den Wochenenden. Die Mailänder Staatsanwaltschaft hatte ihre Ermittlung zu den „Kriegstouristen“ im vergangenen Jahr auf der Grundlage einer Anzeige des italienischen Journalisten und Autors Ezio Gavanezzi eingeleitet. In seinem Buch „I cecchini del weekend“ („Die Wochenend-Scharfschützen“) erhebt er schwere Vorwürfe. Demnach haben 230 Italiener sowie Franzosen und Belgier und auch einzelne Schweizer und Österreicher in der eingekesselten Stadt Jagd auf Menschen gemacht. Der Autor vermutet Täter auch in Deutschland.
Die europäischen Waffennarren sollen den damaligen bosnisch-serbischen Streitkräften Geld bezahlt haben, um einige Tage auf bosnische Zivilisten schießen zu können. Die Zeitung „Il Giornale“ berichtete im vergangenen Jahr, dass die „Wochenend-Heckenschützen“ dafür bis zu 100.000 Euro pro Tag zahlten. Der Preis habe sich nach Geschlecht und Alter des Opfers geändert.
Grundlage für die Recherche waren die Vorwürfe im Dokumentarfilm „Sarajevo Safari“ des slowenischen Regisseurs Miran Zupanič aus dem Jahr 2022. Die ehemalige Bürgermeisterin von Sarajevo, Benjamina Karić, hatte bereits nach der Ausstrahlung des Films Anzeige erstattet.















