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Dobrindt will umstrittene Grenztruppe Frontex deutlich stärken
Bundesinnenminister Dobrindt hat einige Amtskollegen aus Europa nach München eingeladen. Er will den Kurs in der Migrationspolitik weiter verschärfen. Im Zentrum steht die stark umstrittene Grenztruppe Frontex. Was schlägt er vor?
Dobrindt will umstrittene Grenztruppe Frontex deutlich stärken
Dobrindt will umstrittene Grenztruppe Frontex deutlich stärken / Foto: Stefan Puchner/dpa

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) fordert deutlich mehr Befugnisse für Europas bewaffnete Grenztruppe Frontex – in Krisensituationen und bei Abschiebungen von Schutzsuchenden generell. Vor einem Treffen mit mehr als einem Dutzend anderen europäischen Innenministern in München plädierte der CSU-Politiker für eine deutliche Ausweitung des Mandats, auch für Ausnahmesituationen wie bei der Massenankunft von Geflüchteten in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta im Sommer. Für derartige Fälle solle es eine eigene Frontex-Truppe geben.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte vor wenigen Tagen bereits einen neuen europäischen Krisenreaktionsrahmen für solche Situationen vorschlagen - Dobrindt begrüßte den Vorstoß ausdrücklich: „Es braucht einen neuen europäischen Migrationskrisenmechanismus.“

Dobrindt will schnelle Frontex-Eingreiftruppe

In Fällen wie im Sommer in Ceuta, die nichts mit einer humanitären Notlage zu tun hätten, müsse ein Mechanismus ausgelöst werden, dass im Schnellverfahren Rückführungen organisiert werden können, sagte er. Und es brauche dann Unterstützung für die Länder an den Außengrenzen: Eine schnelle Eingreiftruppe von Frontex solle innerhalb von 24 Stunden helfen und unterstützen können, um Extremsituationen rasch zu bewältigen. 

Aber auch abgesehen von solchen Ausnahmesituationen plädierte Dobrindt für ein erweitertes Frontex-Mandat. „Wir sind der Überzeugung, dass wir Frontex stärker einsetzen können bei Rückkehrverfahren“, sagte er. Als Beispiel nannte er auch Abschiebungen schon aus Transitstaaten - natürlich immer nur dann, wenn die betreffenden Länder auch bereit dazu seien.

Weitere Gespräche über „Return Hubs“

Zudem kündigte Dobrindt auf dem von ihm initiierten „Munich Migration Meeting“ weitere Gespräche über die Errichtung von Abschiebezentren in Drittstaaten - auch „Return Hubs“ genannt - an. Deutschland treibt das Vorhaben seit längerem gemeinsam mit einigen anderen EU-Staaten voran.

Der EU-Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner, betonte, man wolle Frontex auf jeden Fall verstärken und aufstocken. „Damit die Agentur schneller agieren kann, flexibler agieren kann, bevor aus Ereignissen dann wirklich auch Krisen werden“, erklärte er. Dafür brauche es mehr Personal, mehr Flexibilität und eine größere, intensivere Rolle bei Rückführungen.

Erneut weniger Asylanträge

Die Zahl der Asylanträge in Deutschland sinkt unterdessen weiter. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte einen Bericht der „Bild“, nach dem diesen Monat bis zum 25. September 3.345 Asylerstanträge gestellt wurden. Im September 2025 waren es noch 9.126.

Kritik an Frontex 

Frontex wird vorgeworfen, an illegalen Pushbacks von Schutzsuchenden beteiligt gewesen zu sein. Dabei werden Geflüchtete gewaltsam von den Grenzen zurückgedrängt und damit daran gehindert, einen Asylantrag im Ankunftsland zu stellen. Flüchtlingsorganisationen berichten immer wieder von physischer Gewalt, Misshandlungen und erniedrigenden Praktiken an den europäischen Grenzen. 

Ein interner Bericht des EU-Betrugsbekämpfungsamtes (OLAF) hatte offengelegt, dass etwa Vorfälle und illegale Pushbacks unter Beteiligung Griechenlands teilweise bewusst verheimlicht wurden. Demnach wurden zudem Aufsichtsgremien in die Irre geführt. Die neue Führung von Frontex räumte später Versäumnisse ein. Die Anschuldigungen und internen Ermittlungen führten unter anderem zum Rücktritt des ehemaligen Frontex-Chefs Fabrice Leggeri im April 2022.

Nach EU-Recht und internationalen Abkommen ist das Recht auf Asyl garantiert – Kollektivausweisungen und Pushbacks sind illegal. Die rechtliche Verantwortung liegt primär bei den jeweiligen Mitgliedstaaten.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen