Nach zahlreichen verbalen rassistischen Angriffen gegen den neuen schwarzen Bürgermeister einer Pariser Vorstadt hat die französische Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen rassistischer Beleidigung und Cybermobbing aufgenommen. Bally Bagayoko, der linkspopulistische Bürgermeister von Saint-Denis, der im Zentrum der Attacken steht, zeigte sich am Donnerstagabend erleichtert. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.
Bagayoko hatte Klage gegen den Rechtsaußen-Sender CNews eingereicht, der nach seiner Wahl einen Psychologen befragt hatte. Dieser wies als Erstes darauf hin, dass der Mensch vom Affen abstamme und dass jeder „Stammeschef“ seine Autorität unter Beweis stellen müsse. CNews wies die Vorwürfe zurück und erklärte, dass die Äußerungen des Psychologen Jean Doridot falsch interpretiert worden seien.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt zudem wegen Cybermobbings, nachdem Bagayoko in Onlinediensten mit zahlreichen rassistischen Beiträgen konfrontiert worden war. Seine Partei La France Insoumise (LFI, Unbeugsames Frankreich) prangerte unter anderem eine Reihe anonymer Briefe an schwarze Politikerinnen und Politiker an, in denen diese mit primitiv dargestellten Afrikanern im Comic-Band „Tim und Struppi im Kongo“ gleichgestellt wurden. „Aus dem Zoo entlaufen“, stand unter den Namen mehrerer Abgeordneter mit afrikanischen Wurzeln. Die Partei prangerte eine „rassistische Kampagne“ an, die seit der Wahl von Bagayoko an Fahrt aufgenommen habe.
Die für den Kampf gegen Diskriminierungen zuständige beigeordnete Ministerin Aurore Bergé bezeichnete die Angriffe gegen Bagayoko als „unerträglich und unwürdig“. „Es sollte jeden Franzosen und jeden Republikaner in unserem Land empören“, betonte sie am Freitag.
Der 52-jährige Bagayoko, der als Sohn malischer Eltern in Frankreich geboren wurde, ist der erste schwarze Bürgermeister einer so großen Stadt wie Saint-Denis mit etwa 150.000 Einwohnern. Am Samstag ist in der multikulturell geprägten Stadt Saint-Denis eine Demonstration gegen Rassismus und Diskriminierung geplant.













