Mehr als sechs Jahre nach dem Brexit haben Deutschland und Großbritannien eine neue Grundlage für ihre Beziehungen geschaffen. Bundeskanzler Friedrich Merz und der britische Premierminister Andy Burnham setzten am Donnerstagnachmittag im Kanzleramt mit dem Austausch der Ratifizierungsurkunden den deutsch-britischen Freundschaftsvertrag in Kraft, der im vergangenen Jahr in London unterzeichnet wurde.
Das 27 Seiten starke Dokument wird auch Kensington-Vertrag genannt - nach dem Unterzeichnungsort, dem Londoner Stadtteil Kensington. Der Vertrag wird von einem Aktionsplan mit 17 Punkten flankiert.
Insgesamt soll damit die Zusammenarbeit in der Verteidigungs- und Wirtschaftspolitik, bei der Eindämmung irregulärer Migration und der Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität vertieft werden. Es sind aber auch konkrete Reiseerleichterungen wie Visafreiheit für Klassenfahrten von Schülergruppen geplant sowie eine direkte Bahnverbindung zwischen beiden Ländern.
Merz: Gehören zusammen
Merz sprach von einem historischen Tag. Der Vertrag eröffne neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit beider Länder, nachdem Großbritannien leider die Europäische Union verlassen habe. Vor allem beinhalte er für Schülerinnen und Schüler sowie Studenten einen besseren Zugang zu beiden Ländern. „Dafür machen wir das, damit die junge Generation auch in den bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland als Teil der Europäischen Union und Großbritannien einfach merkt, wie gut wir Europäer zusammenarbeiten und wie sehr wir auch zusammengehören“, sagte der Kanzler.
Burnham: Brauchen Zusammenarbeit von höchster Güte
Burnham stimmte zu. „In herausfordernden Zeiten, und es sind herausfordernde Zeiten, brauchen wir eine Zusammenarbeit von höchster Güte mit unseren engsten Partnern, und Deutschland ist in der Tat einer unserer engsten Partner“, sagte der Premierminister. Der Kensington-Vertrag werde die Sicherheit in Europa verbessern, die Wirtschaften beider Länder wachsen lassen und den Lebensstandard der Bevölkerung erhöhen.
Der Premierminister äußerte zudem, er habe Merz die Offenheit Großbritanniens signalisiert, dass Deutschland dem Kampfjet-Programm GCAP beitritt, das die Briten gemeinsam mit Italien und Japan betreiben. „Das ist etwas, das wir in der kommenden Zeit in Zusammenarbeit mit unseren anderen Partnern, Italien und Japan, vorantreiben wollen“, sagte Burnham. Das deutsch-französische Kampfjet-Projekts FCAS war in diesem Sommer gescheitert.
Burnham hatte zuletzt als erster britischer Regierungschef seit dem Brexit konkret von der Möglichkeit zur Rückkehr in die EU gesprochen, der Weg dahin wäre aber auch bei einer Entscheidung für entsprechende Gespräche weit. Deutschland ist laut britischen Angaben der zweitgrößte Handelspartner des Vereinigten Königreichs und trägt rund 155 Milliarden Pfund (umgerechnet rund 183 Milliarden Euro) zur britischen Wirtschaft bei.























