Die deutsche Olympia-Bewerbung mit München hat im Rennen um die Sommerspiele 2036 Konkurrenz aus sechs Ländern. Als weitere Kandidaten nannte das Internationale Olympische Komitee Katar, Indien, Südkorea, Ungarn, Türkiye und Südafrika. Als nächsten Schritt wird das IOC nächstes Jahr im März entscheiden, welcher der Bewerber in die zweite Phase des Bewerbungsprozesses einzieht, den sogenannten Strategischen Dialog. Vergeben werden Olympia und Paralympics 2036 bei einer Generalversammlung Mitte 2029.
Davor will sich das IOC im Dezember 2028 auf eine „ausgewählte Zahl“ an bevorzugten Gastgebern einigen, die im Rahmen des „zielgerichteten Dialogs“ in die Endauswahl einziehen. Noch bis Ende Oktober könnten weitere Bewerber ihr konkretes Interesse bekunden, danach wird die Kandidatenliste für 2036 endgültig geschlossen. Im November sollen dann alle Interessenten der IOC-Auswahlkommission ihre Pläne präsentieren.
Deutsche Bewerbung gilt auch für 2040 und 2044
München hatte sich im nationalen Bewerberverfahren gegen das Projekt von Köln-Rhein-Ruhr durchgesetzt. Hamburgs Pläne waren bei einem Bürgerentscheid durchgefallen. Berlin zog seine Kandidatur kurz vor der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) zurück, weil die Olympia-Befürworter im Senat bei der Abgeordnetenhaus-Wahl abgewählt worden waren.
Der DOSB hatte die deutsche Bewerbung für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 beim IOC hinterlegt. Sollte Olympia 2036 an einen der Kandidaten aus Asien gehen, würde München automatisch auch für die beiden folgenden Ausgaben als DOSB-Bewerber ins Rennen gehen. Ziel ist es, dann mit einem starken Projekt zum Zuge zu kommen, wenn das IOC die Spiele wieder nach Europa vergibt.
Die Rivalen für München
Katar: Nach der Fußball-WM 2022 richtete Doha seinen sportpolitischen Blick schnell auf das nächste Ziel Olympia. Finanziell ist das Land ein attraktives Ziel für den Ringe-Zirkel. Aktuell wäre die Region durch den US-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran aber möglicherweise eine riskante Wahl. Angesichts der großen Hitze im Sommer müsste Olympia eher in die Winter-Monate verlegt werden – ein Problem für den internationalen Sportkalender. Auch Vorwürfe bezüglich des Umgangs mit Menschenrechten spielen eine Rolle.
Indien: Die Millionenstadt Ahmedabad ist das Zentrum der indischen Bewerbung. Das bevölkerungsreichste Land der Welt ist für das IOC als Markt sehr interessant. Sorgen bereiten die fehlende Infrastruktur, die Luftverschmutzung und die Schwäche Indiens auf der olympischen Sportbühne.
Südkorea: Die Bewerbung mit der Region Jeonbuk gilt auch innerhalb des Landes als umstritten. Gemeinsame Pläne mit dem 200 Kilometer nördlich gelegenen Seoul stießen laut Berichten auf Bedenken in der Hauptstadt. Zudem hat das koreanische Olympische Komitee laut einem oppositionellen Abgeordneten dem Sportministerium signalisiert, dass Südkorea die Olympischen Spiele 2036 in Jeonju besser nicht ausrichten sollte, wenn eine angemessene Vorbereitung nicht gewährleistet werden kann.
Istanbul: Die türkische Metropole hat schon mehrere vergebliche Anläufe auf Olympia unternommen. Bei den Europa-Spielen 2027 will sich Istanbul als guter Gastgeber für ein Multi-Sport-Großereignis beweisen. Politische Differenzen mit einigen westlichen Staaten könnten jedoch bei der Auswahl gegen das Land instrumentalisiert werden.
Ungarn: Budapest ist ebenfalls kein Unbekannter auf der Bewerberbühne. 2017 kollabierte eine Kandidatur jedoch, weil sich größerer Widerstand in der Bevölkerung regte. Seit der Abwahl des ehemaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán war es ruhiger um die Bemühungen geworden. Sein Nachfolger Péter Magyar setzt andere Prioritäten als Fußballfan Orbán, für den Sport auch ein Machtinstrument war.
Südafrika: Noch nie machte Olympia auf dem afrikanischen Kontinent Station. Ende Oktober ist Senegals Hauptstadt Dakar Gastgeber der olympischen Jugendspiele – wohl auch ein erster Härtetest, ob Afrika schon bereit für ein Mega-Event wie Sommerspiele ist. Im Gespräch ist ein gemeinsames Projekt von Kapstadt, Johannesburg und Durban. Olympia 2036 dürfte aber noch zu früh kommen.
München und der DOSB müssen dem IOC nun Detailpläne und finanzielle Garantien vorlegen, bevor die Vorauswahl im März 2027 abgeschlossen sein soll. Die Macher der Münchner Bewerbung hatten die Kosten für Olympia zuletzt mit rund zehn Milliarden Euro beziffert. Fünf Milliarden für die Organisation davon seien vor allem durch die Ticket-Einnahmen gedeckt. Die restlichen Kosten entfallen auf Infrastrukturprojekte.























