Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) reist zur Unterstützung Israels zum Eurovision Song Contest (ESC) nach Wien. „Ich bin froh, dass Israel nun singen darf, und fahre deshalb nach Wien und freue mich auf das Event“, sagte Weimer der „Augsburger Allgemeinen“ vom Mittwoch. Der deutschen Kandidatin Sarah Engels wünsche er, dass sie „einen guten vorderen Platz“ belege – auch wenn in den Wettquoten die Skandinavier vorn lägen.
Wegen der Teilnahme Israels boykottieren in diesem Jahr die Niederlande, Spanien, Irland, Slowenien und Island den ESC. Damit schicken in der kommenden Woche nur Sendeanstalten aus 35 Ländern Beiträge zur 70. Ausgabe des Musikwettbewerbs nach Wien.
Es ist der umfassendste Boykott in der Geschichte des Wettbewerbs. Anlass für die Debatte um Israels ESC-Teilnahme war der israelische Vernichtungskrieg im Gazastreifen, der von vielen Experten und Menschenrechtsorganisationen als Völkermord eingestuft wird.
Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums tötete Israel seit dem 7. Oktober 2023 mehr als 72.610 Menschen in Gaza, die meisten davon Frauen und Minderjährige. Demnach wurden mindestens 172.468 Menschen verletzt.
Der Boykottaufruf habe ihn geschmerzt, sagte Weimer. Deshalb habe er sich früh dafür engagiert, dass der israelische Sänger Noam Bettan singen dürfe, und das Anliegen „auf die höchste politische Ebene gebracht“.
Er selbst habe eine Schwäche für modernen Fado und Latinopop, weil er in Portugal aufgewachsen sei und zeitweise in Spanien gelebt habe, sagte Weimer. „Aber insgesamt bin ich ein ziemlicher Mainstreamer – ich höre alles, was gerade in den Charts ist.“
Proteste am Finaltag erwartet
Die Polizei rechnet besonders am Finaltag des Eurovision Song Contests (ESC) in Wien mit Protest- und Blockadeaktionen. Für den 16. Mai sei bisher eine Demonstration mit rund 3.000 erwarteten Teilnehmern aus dem pro-palästinensischen Umfeld angemeldet worden, sagte die Einsatzleiterin der Landespolizeidirektion Wien, Xenia Zauner, am Dienstag. Es sei aber von weiteren Aktionen auszugehen. Auch aus dem Ausland würden wohl Demonstranten anreisen.















