Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) vorgeworfen, die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) zur Stimmungsmache gegen Menschen mit Migrationsgeschichte zu nutzen. „Es ist bekannt, dass Kriminalität primär soziale Ursachen hat“, erklärte die Bundesvorsitzende Mehtap Cağlar am Montag in Berlin. Zudem werde die Polizeistatistik durch Faktoren wie polizeiliche Kontrolldichte und auch ein anderes Anzeigeverhalten gegenüber „Fremden“ verzerrt.
Dobrindt hatte bei der Vorstellung der Statistik auf einen deutlich überproportionalen Anteil von Ausländern an Straftaten von 38,5 Prozent hingewiesen. Konkret nannte er Menschen aus Syrien und Afghanistan und drang auf mehr Abschiebungen.
„Die Veröffentlichung des polizeilichen Tätigkeitsberichts wird immer dazu genutzt, Stimmung gegen Menschen mit Migrationsgeschichte zu machen“, erklärte dazu Cağlar. „Dunkelfeldstudien beweisen, dass die Migrationsgeschichte keine Rolle mehr spielt, sobald Faktoren wie der Bildungsweg oder der sozioökonomische Hintergrund vergleichbar sind“, betonte sie weiter.
Zudem warf Cağlar Dobrindt vor, die Kriminalstatistik für eine „Inszenierung“ zu nutzen, während der Minister zuvor eine aufwändige Studie über Rassismus in deutschen Behörden stillschweigend an einem Freitagnachmittag veröffentlicht habe. Diese Studie war im Februar ohne weitere Verlautbarung auf die Internetseite des Bundesinnenministeriums gestellt worden.
Vor Fehlinterpretationen der Zahlen zu ausländischen Straftäterinnen und Straftätern warnte auch Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD). Er verwies bei der Vorstellung der Kriminalstatistik auf Sondereffekte zum einen durch reisende Kriminelle ohne Wohnsitz in Deutschland und zum anderen durch einen besonders hohen Anteil junger Männer bei der Zuwanderung. Zudem sei die Zahl der Straftaten von Zuwanderinnen und Zuwanderern mit minus 9,2 Prozent sogar überproportional zurückgegangen.
Gegen eine „verkürzte Debatte auf einer wackeligen Datengrundlage“, wandten sich auch die Grünen. „Migration wird zum Hauptproblem erklärt, statt Ursachen differenziert zu analysieren“, kritisierte in der „Rheinischen Post“ vom Montag Parlamentsgeschäftsführerin Irene Mihalic.
Gewaltverbrechen 2025 leicht rückläufig
Die Polizei hat in Deutschland 2025 bundesweit 2,3 Prozent weniger Gewaltverbrechen registriert als im Vorjahr. Das geht aus der am Montag veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) hervor. Auch insgesamt gab es etwas weniger Straftaten.
Insgesamt wurden der Polizei rund 5,5 Millionen Straftaten bekannt – ein Rückgang um 5,6 Prozent gegenüber 2024. Seltener mussten Polizisten und Polizistinnen ermitteln zu Raub, räuberischer Erpressung und räuberischen Angriffen auf Kraftfahrer (minus 7,1 Prozent). Bei den Rauschgiftdelikten sank die Zahl der registrierten Straftaten lauf PKS um 27,7 Prozent.
Mehr Straftaten registrierte die Polizei unter anderem bei Leistungsbetrug (plus 11,5 Prozent) sowie bei Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen (plus 6,5 Prozent). Auch bei Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellem Übergriff im besonders schweren Fall beziehungsweise mit Todesfolge stiegen die Zahlen um 8,5 Prozent.
Insgesamt sank die Zahl der Tatverdächtigen um etwa zwei Prozent. Besonders deutlich war der Rückgang bei Jugendlichen und Zuwanderern mit jeweils rund sieben Prozent. Die Zahl der Kinder, die durch Gewaltkriminalität auffielen, stieg dagegen um 3,3 Prozent an - auf rund 14.200 Tatverdächtige. Der Anstieg fiel jedoch weniger stark als im Vorjahr aus (plus 11,3 Prozent).
Die polizeiliche Kriminalstatistik wird jährlich bundesweit auf Grundlage der von den 16 Landeskriminalämtern übermittelten Daten erstellt. Sie dient der Beobachtung der Kriminalität und einzelner Deliktsarten. Sie gibt zudem Auskunft zur Zahl der Tatverdächtigen und Opfer sowie zu Aufklärungsraten.





















