Beim israelischen Überfall auf eine internationale Gaza-Hilfsflotte haben nach Angaben der Organisatoren mindestens 31 Aktivisten Misshandlungen durch die Armee erlitten. Unter den Verletzten befinden sich demnach Aktivisten aus zahlreichen Ländern, darunter auch ein Doppelstaatler mit türkischer und deutscher Staatsangehörigkeit.
Die Organisation „Global Sumud Flotilla“ erhebt schwere Vorwürfe gegen Israel. Die verschleppten Aktivisten seien rund 40 Stunden lang an Bord eines Marineschiffs festgehalten und dabei extrem schlecht behandelt worden. Ihnen sei Wasser und Nahrung verweigert worden, zudem hätten sie unter unwürdigen Bedingungen schlafen müssen.
Auch von Gewaltanwendung ist die Rede: Aktivisten, die sich gegen einzelne Festnahmen gewehrt hätten, seien geschlagen und misshandelt worden. Ein Friedensaktivist sprach von möglichen Knochenbrüchen an seiner Nase.
Der Brasilianer Thiago Ávila und der spanische Aktivist Saif Abu Keshek befinden sich noch immer in israelischer Gefangenschaft. Das israelische Außenministerium behauptete am Freitag, Ávila würden „illegale Aktivitäten“ und Keshek die Zugehörigkeit zu einer „Terrororganisation“ vorgeworfen. Die spanische Regierung forderte am Freitag die sofortige Freilassung Kesheks.
Die israelische Marine hatte in der Nacht zum Donnerstag westlich der griechischen Insel Kreta 21 Boote der „Global Sumud Flotilla“ überfallen und Dutzende Friedensaktivisten verschleppt.
Das israelische Vorgehen gegen den internationalen Schiffsverband mit Gaza-Hilfsgütern im Mittelmeer löste in Berlin und Rom große Sorge aus. Eine gemeinsame Erklärung vom Freitag legt nahe, dass der Stopp der Flottille in internationalen Gewässern aus Sicht der beiden Regierungen möglicherweise nicht mit dem Völkerrecht vereinbar ist. Israel behauptet dagegen, das Vorgehen gegen die Aktivisten stehe im Einklang mit dem Völkerrecht.
Freigelassene Aktivisten landen in Türkiye
Am Freitag ist ein Flug der Turkish Airlines mit 59 von Israel verschleppten Friedensaktivisten am Istanbuler Flughafen gelandet. Nach Angaben des türkischen Außenministeriums stammen die Aktivisten aus folgenden Ländern: 18 aus Türkiye, zehn aus Malaysia, sechs aus Großbritannien, fünf aus Argentinien, vier aus den USA, drei aus Spanien sowie jeweils zwei aus Australien, Brasilien, Italien und Neuseeland. Je ein Aktivist kommt demnach aus Bahrain, den Niederlanden, Mexiko, Pakistan und Chile.
Am heutigen Samstag werden zudem zwei weitere türkische Staatsbürger in Istanbul erwartet, die aufgrund medizinischer Untersuchungen am Freitag nicht an Bord gehen konnten.
Israels Überfall auf Flotilla – nicht das erste Mal
Die Hilfsflotte war am Sonntag mit Dutzenden Schiffen von Sizilien aus Richtung Gazastreifen in See gestochen. An Bord waren Aktivisten aus zahlreichen Ländern. Die Organisation sprach von der größten Flotilla, die jemals versucht habe, den illegalen Belagerungsring um Gaza zu durchbrechen und humanitäre Hilfsgüter in den Küstenstreifen zu bringen.
Die „Global Sumud Flotilla“ war bereits bei ihrer Aktion im Herbst 2025 in internationalen Gewässern mehrfach angegriffen worden. Es kam unter anderem zu Drohnenangriffen, zu denen sich Israel aber nicht bekannte. Die mehr als 400 Aktivisten wurden später von israelischen Soldaten verschleppt und erst nach Tagen freigelassen. Sie berichteten ebenfalls von Misshandlungen während ihrer Gefangenschaft.
Seit dem Wahlsieg der Hamas in Gaza im Jahr 2007 riegelt Israel den Gazastreifen entgegen dem Völkerrecht vom Meer aus strikt ab. Die Absperrung der Zugänge nach und aus Gaza wird auch von Ägypten mitgetragen, das im Süden an den Küstenstreifen grenzt.















