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Rom und Berlin ermahnen Israel wegen geenterter Gaza-Hilfsflotte
Dutzende Hilfsschiffe waren auf dem Weg in Richtung des abgeriegelten Gazastreifens - bis Israel sie in internationalen Gewässern überfiel. Während mehrere Staaten die Piraterie kritisieren, stellen sich die USA hinter ihren Verbündeten.
Rom und Berlin ermahnen Israel wegen geenterter Gaza-Hilfsflotte
ARCHIV - 23.04.2026, Italien, Syrakus: Eine Segelboot-Flottille bereitet sich darauf vor, nach Gaza in See zu stechen / DPA

Der israelische Überfall auf einen internationalen Schiffsverband mit Gaza-Hilfe im Mittelmeer sorgt in Berlin und Rom für große Sorge. In einer gemeinsamen Erklärung kritisieren die beiden Regierungen, dass der Stopp der „Global Sumud Flotilla“ in internationalen Gewässern nicht mit dem Völkerrecht vereinbar sein könnte. „Wir rufen zur uneingeschränkten Achtung des geltenden Völkerrechts sowie zur Unterlassung unverantwortlicher Handlungen auf“, hieß es darin.

Die Organisatoren der Hilfsflotte werfen Israel ein gewaltsames Vorgehen bei dem Vorfall in der Nacht zum Donnerstag vor. Israelische Marinesoldaten hätten mehrere Boote geentert und „systematisch außer Gefecht gesetzt“, hieß es in einer Erklärung. Israel behauptet dagegen, die „Operation“ sei im Einklang mit dem Völkerrecht verlaufen und es habe keine Verletzten gegeben.

Die israelische Marine hatte westlich der griechischen Insel Kreta 21 Boote der Gaza-Hilfsflotte gestoppt und Dutzende Friedensaktivisten verschleppt. Einige Boote setzten nach dem nächtlichen Überfall ihre Fahrt fort. Wie Daten des Online-Trackers der Initiatoren der Flotilla sowie des Schiffsverfolgungssystems Marine Traffic zeigten, bewegten sich am Abend mehrere Boote entlang der Küste Kretas innerhalb der griechischen Hoheitsgewässer. Vonseiten der Organisatoren gab es zunächst keine Aussagen zu weiteren Plänen.

Rom und Berlin: Völkerrecht uneingeschränkt achten

In der deutsch-italienischen Erklärung hieß es, man verfolge den Stopp der „Global Sumud Flotilla mit großer Besorgnis“. Zugleich verteidigten Berlin und Rom Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, „im Einklang mit dem Völkerrecht und internationalen Standards humanitäre Hilfe im Gazastreifen zu leisten“. Die italienische Regierung forderte darüber hinaus die „sofortige Freilassung aller rechtswidrig festgehaltenen Italiener“, wie aus einer Mitteilung zu einem Treffen hervorgeht, das Regierungschefin Giorgia Meloni mit einigen ihrer Minister abhielt. Unter den Friedensaktivisten, die die illegale Seeblockade Israels durchbrechen und humanitäre Hilfe nach Gaza bringen wollen, sind sowohl Italiener als auch Deutsche. 

Israels Außenminister Gideon Saar sagte, die verschleppten Aktivisten würden in Abstimmung mit der griechischen Regierung in Griechenland an Land gebracht. Das Außenministerium in Athen bestätigte, dass Griechenland bereit sei, die Aktivisten auf seinem Staatsgebiet aufzunehmen und ihre sichere Rückkehr in ihre Heimatländer zu gewährleisten.

Alle bislang von den Booten geholten Aktivisten seien unversehrt geblieben, erklärte Saar. 

Illegale Seeblockade gegen Gazastreifen seit 2007

Die Hilfsflotte war am Sonntag mit Dutzenden Schiffen von Sizilien aus Richtung Gazastreifen in See gestochen. An Bord sind Aktivisten aus zahlreichen Ländern. Die Organisation sprach von der größten Flotilla, die jemals versucht habe, den illegalen Belagerungsring um Gaza zu durchbrechen und humanitäre Hilfsgüter in den Küstenstreifen zu bringen.

Die USA kritisierten die Friedensaktivisten der Flotilla unterdessen und warfen ihnen Verbindungen zur palästinensischen Organisation Hamas vor. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Tommy Pigott, sprach in einem Statement von einer „pro-Hamas-Initiative“, die versuche, den Gaza-Friedensplan von US-Präsident Donald Trump zu untergraben. Zuvor hatte bereits Israel den Organisatoren vorgeworfen, bei der Vorbereitung mit der Hamas zusammengearbeitet zu haben. 

Von den USA hieß es nun, sie erwarteten von ihren Verbündeten, gegen „diesen sinnlosen politischen Stunt“ vorzugehen, indem sie Booten der Flotte den Zugang zu Häfen verweigerten sowie das Anlegen, das Auslaufen und das Betanken. Verbündete sollten außerdem öffentliche Warnungen an ihre Staatsangehörige herausgegeben, sich nicht an der Flotilla zu beteiligen.

Die „Global Sumud Flotilla“ war bereits bei ihrer Aktion im Herbst 2025 in internationalen Gewässern mehrfach angegriffen worden. Es kam unter anderem zu Drohnenangriffen, zu denen sich Israel aber nicht bekannte. Die mehr als 400 Aktivisten wurden später von israelischen Soldaten verschleppt und erst nach Tagen freigelassen. Sie berichteten von Misshandlungen während ihrer Gefangenschaft.

Seit dem Wahlsieg der Hamas in Gaza im Jahr 2007 riegelt Israel den Gazastreifen entgegen dem Völkerrecht vom Meer aus strikt ab. Die Absperrung der Zugänge nach und aus Gaza wird auch von Ägypten mitgetragen, das im Süden an den Küstenstreifen grenzt.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen