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Westjordanland: Israelische Soldaten erschießen 16-Jährigen
Erneut dringt ein israelischer Siedler-Mob in ein palästinensisches Dorf ein und terrorisiert die Bewohner. Bei dem Überfall schießen israelische Soldaten mit scharfer Munition – und töten einen Minderjährigen.
Westjordanland: Israelische Soldaten erschießen 16-Jährigen
Foto: Nedal Eshtayah/AA

Israelische Soldaten haben im besetzten Westjordanland nach palästinensischen Angaben einen 16-Jährigen erschossen. Wie das Gesundheitsministerium in Ramallah mitteilte, wurde der Jugendliche am Mittwoch in Dschildschilja nördlich von Ramallah getötet. Der Palästinensische Rote Halbmond erklärte, der Jugendliche sei in der Brust getroffen worden, nachdem israelische Siedler und Soldaten den Ort gestürmt hätten. Vier weitere Menschen seien bei dem Vorfall verletzt worden.

Wie die israelische Armee auf Anfrage mitteilte, waren extremistische Siedler aus einem „illegalen Außenposten“ im Westjordanland „nach dem Diebstahl von Vieh“ in den Ort eingedrungen. Die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, israelische Siedler hätten etwa 700 Schafe und landwirtschaftliche Geräte gestohlen. Daraufhin sei es zu einer Konfrontation mit palästinensischen Bewohnern gekommen. 

Die Soldaten hätten angeblich eingegriffen, um die Tiere und die Siedler aus dem Ort zu bringen, behauptete die israelische Armee. Beim Rückzug des Mobs sei es zu Ausschreitungen und Steinwürfen gekommen. Die Soldaten hätten dann mit scharfer Munition geschossen.

Israelische Gewalt im Westjordanland

Seit Beginn des israelischen Vernichtungskriegs im Oktober 2023 ist die Gewalt auch im Westjordanland eskaliert. Nach Angaben palästinensischer Behörden wurden dort seit Beginn des Krieges mindestens 1.155 Palästinenser von israelischen Soldaten oder extremistischen israelischen Siedlern getötet. Mehr als 11.750 Palästinenser wurden demnach verletzt und etwa 22.000 weitere verschleppt. 

Im Westjordanland leben rund drei Millionen Palästinenser sowie etwa 700.000 Israelis in illegalen Siedlungen. Immer wieder kommt es dort zu Übergriffen auf Palästinenser durch extremistische Siedler. Sie dringen in palästinensische Dörfer ein, verüben Brandanschläge und zünden Felder und Olivenhaine an. Die israelische Armee schreitet meist nicht ein, sondern schützt die Angreifer.

Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete im Dezember 2016 eine Resolution, welche die israelischen Siedlungen im Westjordanland und Ost-Jerusalem als völkerrechtswidrig verurteilte. Gefordert wurde ein sofortiger Baustopp.

Israel hält das Westjordanland seit dem Ende des Sechstagekriegs im Jahr 1967 besetzt. In den vergangenen Jahren hat sich der Bau illegaler israelischer Siedlungen dort beschleunigt. Menschenrechtsorganisationen beklagen eine Zunahme der Gewalt gegen Palästinenser.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen