Einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge kann Religiosität den Zusammenhalt in der Gesellschaft fördern. Laut dem „Religionsmonitor 2026“ weisen Menschen mit mittlerer oder hoher Religiosität im Durchschnitt stärkere Zusammenhaltswerte auf als wenig oder nicht religiöse Menschen. Religion könne einen positiven Einfluss auf den Zusammenhalt haben, soziale Beziehungen festigen, Hilfsbereitschaft fördern und Menschen zum Engagement motivieren, erläuterte Stiftungsexpertin Yasemin El-Menouar in einem Interview auf der Homepage der Stiftung.
Entscheidend sei weniger die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft als „die gelebte religiöse Praxis und die soziale Einbindung“, betonte sie. Religiosität sei „eine relevante soziale Ressource“. Ihr Potenzial komme aber nicht in allen Religionsgemeinschaften gleichermaßen zum Tragen, so die Soziologin und Islamwissenschaftlerin.
Für die repräsentative Erhebung hatte das Infas-Institut im März im Auftrag der Stiftung 5.231 Erwachsene befragt. Das Ergebnis macht nach Ansicht der Stiftung deutlich, dass es „ein neues konstruktives Miteinander“ brauche. Politik müsse berechtigte Anliegen von Bürgern berücksichtigen und Belastungen durch Reformen fair gestalten.
Gerechtigkeitsempfinden schwach
Das Gerechtigkeitsempfinden und das Vertrauen in die Regierung sind in der Bevölkerung jedoch laut der Umfrage gering. Beim gesellschaftlichen Zusammenhalt habe man nach jahrelangem Abwärtstrend zwar wieder einen insgesamt verbesserten Wert gemessen, jedoch bleibe das Verhältnis zwischen Staat und Bürgern deutlich belastet.
Studie sieht Licht und Schatten
Klimawandel, Pandemie, Kriege, politische Radikalisierung oder wirtschaftliche Unsicherheiten stellen den gesellschaftlichen Zusammenhalt seit Jahren auf die Probe. Dennoch habe sich der soziale Zusammenhalt nach einem starken Rückgang zwischen 2020 und 2023 nun insgesamt verbessert: Auf einer Skala von 0 bis 100 und anhand von neun Indikatoren gemessen, seien die Werte von 46 Punkten (2023) auf nun 51 Punkte geklettert, berichtete die Stiftung.
Ein genauerer Blick auf einzelne Bereiche zeigt demnach: Viele Menschen verfügen über stabile soziale Beziehungen und sind bereit, Verantwortung für andere und das Gemeinwohl zu übernehmen. Das politische Interesse ist mit 65 Punkten groß. Allerdings fällt das Vertrauen in die Bundesregierung wie schon 2023 mit nur 37 Punkten schwach aus.
Noch dürftiger (25 Punkte) sieht es demnach beim Gerechtigkeitsempfinden aus - hier sei der niedrigste Wert seit Beginn der Untersuchungen 2017 gemessen worden, schilderte die Stiftung. Die Befragten sollten hier ihre Einschätzung dazu geben, ob die wirtschaftlichen Gewinne „im Großen und Ganzen“ gerecht verteilt werden in Deutschland.
Empfehlung: Bürger besser mitnehmen
Um das Verhältnis von Staat und Bürgern zu verbessern, sollten Politik und Verwaltung ihre Entscheidungen laut Stiftung besser erklären, die Bevölkerung früher und wirksamer beteiligen. Soziale Orte wie Nachbarschaftszentren, Bibliotheken, auch Kultur- und Jugendzentren oder Sportvereine müssten dauerhaft gesichert werden.























