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Schutzgelder für Terroristen: Zementhersteller Lafarge zu Millionenstrafe verurteilt
Ein französisches Gericht hat den früheren Lafarge-Chef wegen Terrorismus-Finanzierung schuldig gesprochen. Mehr als fünf Millionen Euro sollen an die Terrormiliz Daesch und andere Gruppen in Syrien geflossen sein.
Schutzgelder für Terroristen: Zementhersteller Lafarge zu Millionenstrafe verurteilt
Foto: Gonzalo Fuentes/REUTERS (Archiv)
13. April 2026

Wegen der Zahlung von Schutzgeldern in Millionenhöhe an Terrormilizen in Syrien hat ein Gericht in Paris den Ex-Chef des Zementherstellers Lafarge zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der frühere Lafarge-Chef Bruno Lafont müsse seine Haftstrafe wegen Terrorismus-Finanzierung umgehend antreten, urteilten die Richter am Montag in Paris. Sieben weitere Angeklagte, unter ihnen zwei syrische Mittelsmänner, wurden zu Haftstrafen zwischen 18 Monaten und sieben Jahren verurteilt. Für das Unternehmen verhängten die Richter die Höchststrafe von 1,125 Millionen Euro.

Lafarge habe der Terrororganisation Daesch und zwei anderen Gruppen insgesamt 5,6 Millionen Euro gezahlt, um 2013 und 2014 inmitten des Bürgerkriegs eine Zementfabrik in Syrien weiterlaufen zu lassen, erklärten die Richter. Dies habe der Terrormiliz Daesch auch die Organisation von Anschlägen in Europa ermöglicht, erklärte die Vorsitzende Richterin Isabelle Prévost-Desprez mit Blick auf die Anschläge vom November 2015 in Paris. Mehrere Angehörige der Opfer dieser Anschläge waren als Nebenkläger in dem Prozess aufgetreten. 

Lafarge, das inzwischen von dem Schweizer Konzern Holcim übernommen wurde, sei eine „echte Geschäftspartnerschaft" mit Daesch eingegangen, betonte die Richterin. 

Die Verteidigung hatte vergeblich versucht, die Richter davon zu überzeugen, dass das Unternehmen angeblich von den Milizen erpresst worden sei. „Was wäre aus den Beschäftigten des Werks geworden, wenn wir gegangen wären?“, hatte der frühere Vizechef von Lafarge, Christian Herrault, während des Verfahrens betont. 

Die Staatsanwaltschaft verwies jedoch auf interne Kommunikation, die auf ausgehandelte Vereinbarungen hindeutete. Der frühere Chef des syrischen Tochterunternehmens, Bruno Pescheux, machte geltend, dass das Unternehmen mit einem schnellen Ende des Konflikts gerechnet habe. „Alle haben uns gesagt, es würde schnell vorbei sein“, erklärte er. 

Die Staatsanwaltschaft erkannte an, dass die Angeklagten nicht die extremistische Daesch-Ideologie unterstützten. Sie prangerte aber fehlende Eingeständnisse und Reue an. 

Lafarge hatte 2012 seine internationalen Mitarbeiter aus Syrien abgezogen. Das Zementwerk, in das Lafarge 680 Millionen Euro investiert hatte, blieb jedoch mithilfe der syrischen Mitarbeiter in Betrieb. 2014 übernahm die Terrorgruppe Daesch die Kontrolle über das Werk.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen