Von Filiz Bakırtaş
Türkiye begeht derzeit die Woche der türkischen Küche, die in diesem Jahr unter dem Motto „Ein Erbe am Tisch“ steht (türkisch: „Bir Sofrada Miras”) Käse darf bei vielen Menschen auf dem Speiseplan nicht fehlen – sowohl in Türkiye als auch in Deutschland. Daher lohnt sich der Blick auf die Käsekulturen beider Länder: Denn Käse ist längst mehr als Beilage – es ist auch kulturelles Erbe und Heimat.
Er gehört sowohl in Deutschland als auch in Türkiye zu den wichtigsten Lebensmitteln des Alltags. Doch obwohl beide Länder eine ausgeprägte Käsekultur besitzen, unterscheiden sich Geschmack, Herstellung, Essgewohnheiten und Traditionen zum Teil deutlich. Während in Deutschland milde Schnitt- und Hartkäse dominieren, stehen in Türkiye salzige Weißkäse, regionale Spezialitäten und vielseitige Frühstücksvariationen im Mittelpunkt.
Abendbrot und Kahvaltı
Schon beim ersten Blick auf den Tisch zeigen sich Unterschiede. In Deutschland finden sich häufig Sorten wie Gouda, Emmentaler oder Frischkäse. Hinzu kommen bei einem Frühstück oft Butter, Marmelade, Wurst oder Eier. Jedoch gilt Käse ebenso als klassischer Bestandteil des sogenannten Abendbrots, meist in Scheibenform.
In Türkiye dagegen spielt Käse vor allem beim traditionellen Frühstück, dem „Kahvaltı“, eine zentrale Rolle. Dort werden meist mehrere Käsesorten gleichzeitig serviert. Besonders beliebt ist „Beyaz Peynir“, ein salziger Weißkäse, der häufig mit Oliven, Tomaten, Gurken und frischem Brot kombiniert wird. Viele Familien servieren zusätzlich „Kaşar“, der je nach Reifegrad an Gouda erinnert.
Auch die Geschmacksrichtungen unterscheiden sich deutlich. Deutsche Käsesorten gelten im internationalen Vergleich oft als mild und cremig. Besonders Sorten wie Butterkäse oder junger Gouda treffen den Geschmack vieler Menschen. Kräftigere Sorten wie Harzer Käse oder Bergkäse werden ebenfalls geschätzt.
In Türkiye hingegen bevorzugen viele Verbraucher intensivere und salzigere Aromen. Besonders traditionelle Sorten wie „Tulum Peyniri“ oder „Mıncır Peyniri“ besitzen einen deutlich würzigeren Geschmack. Viele dieser Käsesorten werden aus Schafs- oder Ziegenmilch hergestellt und über längere Zeit gereift.
Regionale Vielfalt
Ein weiterer Aspekt ist die regionale Vielfalt. Deutschland verfügt über regionale Spezialitäten wie Allgäuer Bergkäse oder Limburger, und auch in Türkiye besitzt nahezu jede Region ihre eigene Käsetradition. Besonders bekannt ist Ezine Peyniri aus der Ägäisregion, der für seine cremige Konsistenz und seinen ausgewogenen Salzgehalt geschätzt wird. Im Osten des Landes wiederum sind faserige Käsesorten wie Çeçil Peyniri weit verbreitet.
In Türkiye gibt es rund 190 verschiedene Käsesorten, in Deutschland dagegen knapp 150.
Die unterschiedliche Verwendung in der Küche prägt ebenfalls die Esskultur beider Länder. In Deutschland wird Käse häufig kalt gegessen – auf Brot, Brötchen oder als Bestandteil einer Käseplatte. Warme Gerichte mit Käse sind zwar beliebt, etwa Aufläufe oder Pizza mit Mozzarella, doch traditionell steht meist der kalte Verzehr im Vordergrund.
In Türkiye dagegen wird Käse regelmäßig auch warm verarbeitet. Besonders in Gerichten wie „Börek“ und „Pide“ spielt geschmolzener Käse eine zentrale Rolle. Häufig verwendet wird dabei „Kaşar“-Käse, der sich gut schmelzen lässt. Auch „Lor Peyniri“ findet vielseitige Verwendung – etwa als Füllung für Gebäck oder als leichter Frühstückskäse.
Kulturelle Bedeutung
Darüber hinaus besitzt Käse in beiden Ländern auch eine kulturelle Bedeutung. In Deutschland steht die Käsetheke im Supermarkt oft für Vielfalt und Genuss. Viele Regionen präsentieren lokale Spezialitäten auf Volksfesten. Besonders süddeutsche Regionen wie Bayern oder das Allgäu sind für ihre traditionsreiche Milchwirtschaft bekannt.
In Türkiye wiederum ist Käse eng mit Gastfreundschaft und Familienkultur verbunden. Ein reich gedeckter Frühstückstisch mit mehreren Käsesorten gilt vielerorts als Ausdruck von Gemeinschaft und Wertschätzung. Gäste werden oft mit einer großen Auswahl an Käse, Tee und Gebäck empfangen. Dabei spielt nicht nur der Geschmack, sondern auch die Präsentation eine wichtige Rolle. Zudem schmücken spezialiserte Käsehändler die vielen Wochenmärkte und Basare in Türkiye.
Käse verbindet
In den vergangenen Jahren haben sich die Käsekulturen beider Länder zudem gegenseitig beeinflusst. Türkische Supermärkte in Deutschland bieten mittlerweile zahlreiche traditionelle Käsesorten an, während internationale Produkte zunehmend auch in türkischen Geschäften erhältlich sind. So finden sich inzwischen in Deutschland türkische Frühstücksrestaurants mit umfangreichen Käseplatten, während in Türkiye europäische Sorten wie Gouda oder Cheddar immer populärer werden. Gleichzeitig bleibt die Verbindung zur eigenen Tradition stark bestehen.
Ob milder Gouda oder würziger „Tulum Peyniri“ – die Käsekulturen von Deutschland und Türkiye zeigen, wie unterschiedlich Essgewohnheiten entstehen können. Beide Länder verbindet jedoch die große Bedeutung von Käse im Alltag. Trotz aller Unterschiede ist Käse in beiden Kulturen weit mehr als nur ein Lebensmittel: Er steht für Tradition, Familie und gemeinsames Essen.























