Nach heftiger Kritik aus Italien will die Schweiz die Krankenhauskosten für italienische Opfer der verheerenden Brandkatastrophe im schweizerischen Crans-Montana in der Silvesternacht übernehmen. Die Schweiz werde „ausnahmsweise auf die Rückforderung der Behandlungskosten für die in Italien versicherten Opfer verzichten“, erklärte die Regierung am Mittwoch in Bern. Die Entscheidung sei unter Berücksichtigung „des Ausmaßes und der Auswirkungen des tragischen Brandes“ sowie der „von Italien während der Katastrophe geleisteten Unterstützung“ erfolgt, erklärte der Schweizer Bundesrat.
Im April hatte der italienische Botschafter Gian Lorenzo Cornado „exorbitante“ Krankenhausrechnungen beklagt, die italienische Opfer nach der Brandkatastrophe aus der Schweiz erhalten hatten, und erklärt, der italienische Staat werde diese nicht begleichen. Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni bezeichnete die Rechnungen im Onlinedienst X als „eine Beleidigung, aber auch eine Farce, die nur eine unmenschliche Bürokratie hervorbringen konnte“.
Bei dem Brand in der Bar „Le Constellation“ im Schweizer Skiort Crans-Montana waren in der Silvesternacht 41 Menschen, zumeist junge Menschen, ums Leben gekommen, darunter sechs junge Leute aus Italien. 115 weitere Menschen wurden bei dem Unglück verletzt. Gegen die Barbesitzer wird wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung ermittelt.
Nach den Angaben der Schweizer Regierung waren zwölf in Italien versicherte Opfer nach dem Unglück zunächst in der Schweiz behandelt worden, bevor sie in italienische Krankenhäuser verlegt wurden. Das Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (FZA) sieht grundsätzlich vor, dass jedes Land die Behandlungskosten für Menschen übernimmt, die in seinem System versichert sind, wenn diese im jeweils anderen Land behandelt wurden. Der Schweizer Bundesrat erklärte jetzt jedoch, die Schweiz verzichte in diesem Fall auf Anregung der italienischen Regierung darauf, sich die Kosten in Höhe von rund 1,5 Millionen Schweizer Franken (etwa 1,6 Millionen Euro) erstatten zu lassen.
Italiens Regierungschefin Meloni nahm die Nachricht, die ihr der Schweizer Präsident Guy Parmelin überbrachte, „mit großer Zufriedenheit“ auf. „Ich freue mich über diese Lösung: Keine Belastung wird auf den Familien oder auf Italien lasten“, erklärte Meloni. Diese Entscheidung bestätige „die Stärke der Beziehungen zwischen unseren Nationen“.























