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Mehr Geld für Bundeswehr und Infrastruktur: Industrie erhält mehr Aufträge
Deutschlands Industrie meldet ein überraschendes Auftragsplus. Doch der Aufschwung beruht vor allem auf staatlichen Investitionen und einzelnen Großaufträgen.
Mehr Geld für Bundeswehr und Infrastruktur: Industrie erhält mehr Aufträge
Mehr Geld für Bundeswehr und Infrastruktur: Industrie erhält mehr Aufträge / Foto: Harald Tittel/dpa

Vor allem wegen deutlich mehr Bestellungen im Maschinenbau und in der Elektrotechnik hat sich die Auftragslage der deutschen Industrie im Juni verbessert. Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe stieg im Juni im Vergleich zum Vormonat um 3,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Laut Bundeswirtschaftsministerium sind staatliche Beschaffungen für Bundeswehr und Infrastruktur ein Hauptgrund für die positive Entwicklung.

Die Statistiker erklärten, die Entwicklung sei zu einem großen Teil auf die deutlichen Anstiege im Maschinenbau (plus 12,7 Prozent) sowie in der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (plus 22,7 Prozent) zurückzuführen. In beiden Bereichen meldeten mehrere Unternehmen Großaufträge.

Die Aufträge aus Ländern außerhalb der Eurozone stiegen laut Statistik im Vergleich zum Vormonat um 10,2 Prozent. Die Bestellungen aus der Eurozone gingen dagegen um 14 Prozent zurück.

Ausschlaggebend für den Zuwachs war laut Bundeswirtschaftsministerium vor allem die Inlandsnachfrage. Die Inlandsaufträge legten um 7,8 Prozent zu. Das Auftragsplus im wichtigen Maschinenbau sei insbesondere auf Großaufträge aus dem Inland zurückzuführen. Die Bestellungen aus dem Ausland unterlägen dagegen derzeit starken Schwankungen. Im Mai hatten die Aufträge aus dem Euroraum noch deutlich zugenommen.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe seien derzeit dank der kräftigen Inlandsnachfrage aufwärtsgerichtet. „Starke Zuwächse bei den Investitionsgüterproduzenten dürften demnach vermutlich insbesondere in Verbindung mit öffentlichen Beschaffungen im Rahmen der Modernisierung der Bundeswehr wie auch mit Aufträgen im Rahmen des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität im Zusammenhang stehen“, erklärte das Ministerium. Die Nachfrage aus dem Ausland zeige sich ungeachtet geopolitischer Konflikte „bemerkenswert robust“.

Von den höheren Rüstungsausgaben profitierte unter anderem der Rüstungskonzern Rheinmetall. „Die starke Nachfrage hält an und es gelingt uns immer wieder, wichtige Großaufträge im In- und Ausland zu gewinnen“, erklärte Rheinmetall-Chef Armin Papperger am Donnerstag. Der Konzern meldete für das erste Halbjahr ein Umsatzwachstum von 39 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro. Das Aus für die vom Bundesverteidigungsministerium geplante Beschaffung von sechs Fregatten des Typs F126 führte jedoch dazu, dass Rheinmetall seine Umsatzerwartung für das Geschäftsjahr um 300 Millionen Euro senken musste.

Auch ein weiteres Schwergewicht der deutschen Industrie profitierte vor allem vom Boom der Künstlichen Intelligenz. Siemens meldete für den Zeitraum von April bis Juni „Rekordwerte sowohl beim Auftragseingang als auch beim Ergebnis des industriellen Geschäfts“. Die Sparte Smart Infrastructure verzeichnete im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Anstieg des Auftragseingangs um 42 Prozent. Dies führte der Konzern vor allem auf „eine Reihe großer Aufträge von Rechenzentrumskunden in den USA und in Europa“ zurück. Insgesamt stieg der Auftragseingang des Unternehmens um 14 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro.

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnte unterdessen, dass es für „das Ausrufen einer konjunkturellen Trendwende“ noch zu früh sei. Die Zuwächse bei den Auftragseingängen seien „hoffnungsvolle Zeichen für die Wirtschaft“, erklärte DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen. An den strukturellen Problemen im Inland habe sich „fundamental noch nichts gebessert“, betonte er. „Auch das außenwirtschaftliche Umfeld bleibt sehr unsicher.“

QUELLE:AFP