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Westjordanland: „Washington Post“-Fotografin von israelischen Siedlern überfallen
Während im Westjordanland die Olivenernte ansteht, gehören Angriffe israelischer Siedler auf palästinensische Bauern zum Alltag. Nun hat ein Mob von mehr als 50 Extremisten eine US-Fotografin attackiert, als sie die Gewalt dokumentieren wollte.
Westjordanland: „Washington Post“-Fotografin von israelischen Siedlern überfallen
Ramallah, Westjordanland, 16.10.2026 / Foto: Ahmad Gharabli/AFP

Radikale israelische Siedler haben im besetzten Westjordanland eine US-Fotografin überfallen, als sie für die Zeitung „Washington Post“ Aufnahmen von Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern machen wollte. „Mehr als 50“ mit Stöcken bewaffnete maskierte Siedler hätten sie plötzlich angegriffen, sagte Heidi Levine vor Journalisten am Freitag im Krankenhaus in Ramallah, wohin sie nach dem Überfall zur Behandlung gebracht worden war.

„Plötzlich sprangen sie auf mich zu, ich trug glücklicherweise meinen Helm und meine Schutzweste“, berichtete Levine, die Verletzungen an ihrer Hand und einem Bein erlitten hatte. Sie habe versucht, ihr Gesicht zu schützen, sagte die Reporterin, die seit Jahrzehnten im Nahen Osten arbeitet. Die Angreifer hätten mit Füßen auf sie eingetreten. Laut der „Washington Post“ wies die Schutzweste Levine mit dem Aufdruck „Press“ auf Brust und Rücken eindeutig als Journalistin aus. Aufnahmen der Siedlermob-Attacke lösten weltweit Empörung aus. 

Ein Sprecher der US-Botschaft in Jerusalem sagte, die Berichte über den Angriff seien der Botschaft bekannt, er wollte sich aber unter Verweis auf Gesetze zur Privatsphäre nicht weiter äußern. „Wir haben keine höhere Verantwortung als die, amerikanische Bürger zu schützen“, sagte er lediglich.  

Im August hatte der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, Siedlergewalt in ungewöhnlich scharfer Form kritisiert. Er bezeichnete die anhaltende Belagerung mehrerer palästinensischer Häuser als „schreckliche Terrortat“ und nannte die Vorkommnisse „widerlich“. Huckabee ist als Unterstützer der nach UN-Recht illegalen Siedlungen im Westjordanland bekannt.

Die israelische Armee teilte mit, Soldaten und Grenzpolizisten seien nach „einem Bericht über eine gewalttätige Auseinandersetzung“ in die Dörfer Turmus Ajja und Abu Falah im zentralen Westjordanland entsandt worden, wo sich der Vorfall ereignet hatte. „Ausländische Medien waren am Ort des Geschehens anwesend und eine Journalistin wurde bei der Auseinandersetzung verletzt.“ Die Umstände würden untersucht, behauptete die Armee weiter.

Die Nachrichtenagentur AFP war nicht Zeuge des Überfalls selbst, aber einer ihrer Reporter konnte beobachten, dass palästinensische Sanitäter einen am Boden liegenden Menschen versorgten. Seinen Angaben zufolge drängten Soldaten Journalisten zurück, die versuchten, sich zu nähern. 

Laut der „Foreign Press Association“, die internationale Medien in Israel vertritt, stahlen die Siedler Levines Pass, ihr Telefon, ihre Geldbörse und ihre Ausrüstung. Der Vorfall reihe sich ein in viele andere gewalttätige Übergriffe auf Journalisten und andere Zivilisten im Westjordanland. „Aber unsere wiederholten Aufforderungen an die israelischen Behörden, diese Gesetzlosigkeit zu unterbinden, sind ignoriert worden.“ 

Erst vor zehn Tagen war der AFP-Fotograf Jaafar Ashtiyeh von illegalen israelischen Siedlern im Westjordanland verletzt worden, als er über die Olivenernte berichten wollte. 

Der stellvertretende Sprecher des UN-Generalsekretärs, Farhan Haq, sagte unter Berufung auf Daten des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), dass in der laufenden Olivenernte bereits mehr als 200 Angriffe israelischer Siedler auf palästinensische Landwirte registriert worden seien. Im gesamten Vorjahr seien es 185 Angriffe gewesen. 

Dabei sei ein Palästinenser getötet und mehr als 120 weitere verletzt worden, fügte Haq am Donnerstag in New York hinzu. Zudem seien über 2.500 Olivenbäume und Setzlinge beschädigt worden. 

Israelische Gewalt im Westjordanland

Israel besetzt seit dem Sechstagekrieg 1967 unter anderem das palästinensische Westjordanland und Ostjerusalem. Heute leben dort rund 730.000 Siedler in mehr als 370 illegalen Siedlungen und Außenposten. Immer wieder kommt es zu Übergriffen auf Palästinenser durch extremistische Siedler. Sie dringen in palästinensische Dörfer ein, attackieren Bewohner, verüben Brandanschläge und zünden Felder und Olivenhaine an. Die israelische Armee schreitet meist nicht ein, sondern schützt die Angreifer oder beteiligt sich selbst an Angriffen.

Eine UN-Untersuchungskommission für Palästina kam im Juni zu dem Schluss, dass israelische Behörden und Besatzungstruppen die Siedlergewalt dulden oder unterstützen. Israelische Truppen sind demnach immer wieder an Siedlerangriffen beteiligt, bei denen Palästinenser verletzt, getötet oder vertrieben werden.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den israelischen Siedlungsbau in einer Resolution aus dem Jahr 2016 und stufte ihn als völkerrechtswidrig ein. Unter Regierungschef Benjamin Netanjahu hat Israel den illegalen Siedlungsbau im besetzten Westjordanland stark vorangetrieben. 

Seit Beginn des israelischen Vernichtungskriegs im Gazastreifen im Oktober 2023 ist die Gewalt auch im Westjordanland eskaliert. Nach Angaben palästinensischer Behörden wurden dort seit Beginn des Gaza-Krieges mehr als 1.200 Palästinenser von israelischen Soldaten oder extremistischen israelischen Siedlern getötet.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen