Vor fast leeren Rängen und ohne Handschlag: Irland hat das politisch aufgeladene Nations-League-Spiel gegen Israel mit 3:0 für sich entschieden, allerdings blieben die sonst üblichen sportlichen Gesten aus. Während der israelischen Nationalhymne senkten die irischen Nationalspieler am Sonntag im ungarischen Debrecen demonstrativ die Köpfe, auch verweigerten sie der gegnerischen Mannschaft aus Israel den üblichen Handschlag.
Das Spiel fand in einer bedrückenden und düsteren Atmosphäre statt. Das Fußballstadion in Debrecen war nahezu leer, die Partie wurde fast ohne Zuschauer ausgetragen. Der irische Verband hatte keine Tickets für Fans reserviert, der öffentlich-rechtliche Sender RTE wollte die Partie ohne Kommentar übertragen. Die irischen Spieler selbst trugen nach eigenen Angaben aus Protest gegen den israelischen Vernichtungskrieg in Gaza schwarze Armbinden.
Israels Außenminister Gideon Saar warf Irland angesichts des Verhaltens der Spieler vor, „auf der falschen Seite der Geschichte“ zu stehen. Im Onlinedienst X verwies Saar auf die irische Mannschaft von 1939, die damals vor einem Spiel gegen Deutschland in Bremen den Hitlergruß gezeigt hatte.
Er erinnerte zudem an Irlands Neutralität während des Zweiten Weltkriegs sowie daran, dass der damalige Premierminister Eamon de Valera dem deutschen Gesandten in Dublin nach dem Suizid von Adolf Hitler sein Beileid aussprach. „Fast 90 Jahre sind vergangen“, schrieb Saar. Geblieben sei „Irlands einzigartige Begabung, sich auf der falschen Seite der Geschichte wiederzufinden“.
Bei dem Spiel war Israel offiziell Gastgeber, allerdings blieb die Austragung bis zuletzt ungewiss. Die irischen Spieler entschieden sich trotz Boykottaufrufen zu Hause dann aber für eine Teilnahme. Lediglich Torhüter Gavin Buzunu sagte seine Teilnahme ab und begründete dies mit der „Tötung unschuldiger Menschen“. „Es gibt im Leben nur wenige Gelegenheiten, sich für etwas Größeres einzusetzen, und ich bin fest davon überzeugt, dass dies eine davon ist.“
Irland ist einer der stärksten Kritiker des israelischen Vernichtungskrieges im Gazastreifen. 2024 hatte Irland gemeinsam mit Spanien und Norwegen einen unabhängigen Staat Palästina anerkannt.
Israel hatte nach dem Vergeltungsschlag der Widerstandsorganisation Hamas am 7. Oktober 2023 einen Vernichtungskrieg in Gaza gestartet. Viele Experten und Menschenrechtsorganisationen stufen diesen als Genozid ein.
Am 10. Oktober 2025 trat eine Waffenruhe auf Grundlage des US-Friedensplans in Kraft, die jedoch immer wieder von Israel gebrochen wird. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden während der Waffenruhe mindestens 1.417 Palästinenser getötet. Demnach tötete Israel seit Oktober 2023 mehr als 74.000 Menschen in Gaza und verletzte mindestens 175.079 weitere.





















