TÜRKİYE
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Wüst würdigt Beitrag türkischer Migranten in Deutschland
Einst Gastarbeiter, heute überall in der deutschen Gesellschaft: Ministerpräsident Wüst lobt türkische Migranten als natürliche Brückenbauer nicht nur in NRW. Zu lange aber seien sie anders gesehen worden.
Wüst würdigt Beitrag türkischer Migranten in Deutschland
Ankara, Türkiye, 28.09.2026 / Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst hat zum Auftakt seines Besuchs in Türkiye den Beitrag der türkischen Migranten für den Aufschwung Deutschlands gewürdigt. „Ohne diese Menschen wäre nicht möglich gewesen, wirtschaftlichen Aufschwung hinzukriegen nach dem Krieg“, sagte Wüst beim Besuch eines Henkel-Werks in Ankara. „Die haben im Stahlwerk gearbeitet, unter Tage, bei Ford in Köln, im Straßenbau, überall.“

Zugleich übte Wüst Kritik am bisherigen gesellschaftlichen Umgang mit den vielen Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland. Zu lange seien sie „als Integrationsaufgabe“ und auch „gelegentlich als Problem“ gesehen worden, sagte der CDU-Politiker. Heute werde gesehen, wie einseitig das gewesen sei. „Es ist eine Riesenchance, eine Million Menschen aus der Türkei zu haben, mit türkischen Wurzeln in Nordrhein-Westfalen, die beide Kulturen, beide Sprachen kennen.“ Die Türken könnten „natürliche Brückenbauer“ sein und seien es vielfach bereits. 

Türken heute überall in der Gesellschaft tätig 

In einem Interview der türkischen Zeitung „Hürriyet“ und der Nachrichtenagentur Anadolu verwies Wüst darauf, dass die Kinder und Enkelkinder der ersten Generation der sogenannten Gastarbeiter heute überall in der deutschen Gesellschaft auch in verantwortlichen Funktionen tätig seien: „Sie sind Lehrerinnen, Polizisten, Unternehmer, Vereinsvorsitzende. Das zeigt, glaube ich, ganz gut, dass trotz aller Herausforderungen, die damaligen Gastarbeiter und ihre heutigen Kinder und Enkel aus unserer Gesellschaft nicht wegzudenken sind.“

Mehr als 1.200 türkische Unternehmen sind nach Angaben der Landesregierung in NRW aktiv. Tausende Betriebe allein in NRW würden von Menschen mit türkischen Wurzeln geführt, sagte Wüst. „Diese Stärke müssen wir viel besser nutzen.“

Jahrestag ist Anlass für die Reise – Überraschungsempfang von Erdoğan 

Wüst war am Montagmorgen mit einer großen Delegation in einem Linienflieger von Düsseldorf nach Ankara aufgebrochen. Begleitet wird er unter anderem von einer Wirtschaftsdelegation und mehr als 30 Journalisten. 

Hauptanlass der dreitägigen Reise Wüsts nach Türkiye ist der 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens, mit dem die Zuwanderung hunderttausender türkischer Arbeitskräfte in die Bundesrepublik Deutschland eingeleitet wurde. Es ist die erste Reise eines nordrhein-westfälischen Regierungschefs nach Türkiye und für Wüst der erste Türkiye-Besuch überhaupt.

Am Montagabend war Wüst überraschend in Ankara von Präsident Recep Tayyip Erdoğan empfangen worden – das Gespräch dauerte 50 Minuten und damit länger als erwartet. Themen waren unter anderem die Wirtschaftsbeziehungen zwischen NRW und Türkiye, das Verhältnis zur EU sowie Visa-Erleichterungen. 

Dass Präsident Erdoğan sich für ein Treffen mit Wüst entschieden hat, dürfte mit den engen Verbindungen Nordrhein-Westfalens zu Türkiye zu tun haben. Ein Drittel aller aus Türkiye stammenden Menschen in Deutschland leben in Nordrhein-Westfalen.

Wüst steht derzeit besonders im Fokus, da er seit Wochen als möglicher Nachfolger des zunehmend unter Druck stehenden Bundeskanzlers Friedrich Merz (CDU) gehandelt wird.

QUELLE:TRT Deutsch und Agenturen