Vor dem Gebäude des Dresdner Landgerichts ist am Mittwoch an die vor 17 Jahren ermordete Pharmakologin Marwa El-Sherbini erinnert worden. Die Muslimin und gebürtige Ägypterin war am 1. Juli 2009 aus rassistisch und islamfeindlich motiviertem Hass bei einer Verhandlung im Landgericht durch einen Messerangriff getötet worden, nachdem sie als Zeugin gegen ihren späteren Mörder ausgesagt hatte. Bei dem tödlichen Messerangriff im Gerichtssaal wurde zudem El-Sherbinis Mann schwer verletzt. Der dreijährige Sohn wurde Zeuge, wie seine Mutter verblutete. Die damals 31-jährige hatte den Mann zuvor wegen rassistischer Beleidigungen auf einem Spielplatz angezeigt.
Die Gedenkveranstaltung fand an der vor kurzem eingeweihten Gedenkstele für El-Sherbini statt. Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) hatte zuvor erklärt, dass die rassistische Tat dazu zwinge, Fragen zu stellen – über die Gesellschaft, Vorurteile und Hass. Gedenken bedeute, nicht wegzusehen, wenn Menschen ausgegrenzt oder angegriffen werden.
Antimuslimische Gewalt benennen
Der Berliner Anwalt der Opferfamilie, Eberhard Schultz, erklärte in einem schriftlichen Statement: Der 1. Juli dürfe „nicht auf Gedenkrituale reduziert werden“. Notwendig seien ein „wirksamer Schutz für Betroffene, eine klare Benennung antimuslimischer Gewalt“.
Der deutsch-türkische Moscheeverband DITIB appellierte in Köln an die Politik, antimuslimischen Rassismus endlich „als ernsthafte gesellschaftliche Herausforderung anzuerkennen“.
Der Täter wurde im November 2009 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Dabei wurde auch die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Der Mörder hatte El-Sherbini auf einem Dresdner Spielplatz als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpft.
Die ermordete Sportlerin und Pharmakologin gilt heute als Symbol für die Folgen von Rassismus und antimuslimischem Hass in Deutschland.























