TÜRKİYE
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Nato-Gipfel in Ankara: Türkiye rückt stärker in den Fokus
Vor dem Nato-Gipfel in Ankara rückt Türkiye stärker in den Fokus des Bündnisses. Ankara will seine Rolle als militärischer und geopolitischer Schlüsselakteur sichtbarer machen.
Nato-Gipfel in Ankara: Türkiye rückt stärker in den Fokus
Nato-Gipfel in Ankara: Türkiye rückt stärker in den Fokus / Foto: AA

Der bevorstehende Nato-Gipfel in Ankara findet zu einem sicherheitspolitisch entscheidenden Zeitpunkt statt. Der Krieg in der Ukraine und die Instabilität im Nahen Osten unterstreichen die wachsende Bedeutung von Türkiye für die euro-atlantische Sicherheit.

Während die türkische Hauptstadt die letzten Vorbereitungen für das Treffen der Staats- und Regierungschefs am 7. und 8. Juli trifft, dürfte der Gipfel auch die veränderte Rolle von Türkiye innerhalb des Bündnisses sichtbar machen. Das Land hat sich von einem Frontstaat des Kalten Krieges zu einem der strategisch wichtigsten Mitglieder der Allianz entwickelt – mit wachsendem Einfluss im Schwarzen Meer, im Nahen Osten und in Südosteuropa.

Seit dem Nato-Beitritt im Jahr 1952 zählt Türkiye zu den wichtigsten militärischen Beitragsleistern des Bündnisses. Das Land beherbergt zentrale Kommandostrukturen, beteiligt sich an Nato-Missionen vom Balkan bis Afghanistan und hat zugleich eine Verteidigungsindustrie aufgebaut, die heute moderne Militärtechnologie in zahlreiche Länder liefert.

Vom Frontstaat zum globalen Beitragsleister

Der Weg von Türkiye in die Nato begann unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Angesichts des geopolitischen Drucks der Sowjetunion, insbesondere mit Blick auf die türkischen Meerengen, richtete Ankara seine Außenpolitik klar auf den westlichen Block aus.

Um sein Engagement für kollektive Sicherheit zu unterstreichen, entsandte Türkiye 1950 eine Brigade in den Koreakrieg unter UN-Kommando. Der Einsatz stärkte die Position des Landes auf dem Weg zur Nato-Mitgliedschaft.

Am 17. Oktober 1951 unterzeichnete Türkiye das Beitrittsprotokoll. Am 18. Februar 1952 trat das Land gemeinsam mit Griechenland im Zuge der ersten Nato-Erweiterung offiziell dem Bündnis bei.

Während des Kalten Krieges wurde Türkiye zu einem zentralen Pfeiler der südöstlichen Verteidigungslinie der Nato. Dazu gehörte auch die Stationierung wichtiger militärischer Infrastruktur, darunter der Luftwaffenstützpunkt Incirlik in Adana.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion weitete Ankara seine Rolle über die klassische Landes- und Bündnisverteidigung hinaus aus. Türkiye entwickelte sich zu einem der bedeutenden Nato-Beitragsleister bei internationalen Friedens- und Stabilisierungsmissionen.

Strategische Schlüsselrolle an der Südostflanke

Geografisch liegt Türkiye an der Schnittstelle zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten. Damit nimmt das Land eine zentrale Position in der Sicherheitsarchitektur der Nato ein.

Besondere Bedeutung kommt zudem der Kontrolle über den Zugang zum Schwarzen Meer zu. Auf Grundlage des Montreux-Abkommens von 1936 kann Ankara den Schiffsverkehr durch Bosporus und Dardanellen in Konfliktzeiten regulieren.

Militärisch verfügt Türkiye über die zweitgrößte stehende Streitmacht innerhalb der Nato nach den Vereinigten Staaten. Mit Blick auf die Debatte über Verteidigungsausgaben und Lastenteilung geht das Land mit einem Verteidigungsetat von geschätzt 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 in den Gipfel.

Auch an den gemeinsamen Nato-Haushalten ist Türkiye maßgeblich beteiligt. Der türkische Anteil liegt bei rund 6,3 Prozent, womit das Land unter den 32 Mitgliedstaaten den siebten Platz einnimmt. Nach Angaben des türkischen Außenministeriums soll der Beitrag 2026 bei rund 342 Millionen Dollar liegen und bis 2030 auf etwa 708 Millionen Dollar steigen.

Hinzu kommt die wachsende Bedeutung der türkischen Verteidigungsindustrie. Türkiye hält inzwischen einen erheblichen Anteil am weltweiten Exportmarkt für bewaffnete Drohnen – ein Bereich, der in modernen Konflikten zunehmend an Bedeutung gewinnt.

QUELLE:TRT Deutsch