Die USA haben die vom Militär in Myanmar gegen die Rohingya-Minderheit verübte Gewalt als „Völkermord“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ eingestuft. Wie ein US-Beamter der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag sagte, will US-Außenminister Antony Blinken die Entscheidung am Montag bei einem Besuch des Holocaust-Museums in Washington offiziell bekannt geben. Blinken hatte Ende vergangenen Jahres eine Untersuchung der Ereignisse vor rund fünf Jahren angekündigt.
Vertreter der Rohingya begrüßten den Schritt. „Ich habe das Gefühl, dass wir einen Stromausfall erlebt haben, aber jetzt sehen wir ein Licht, weil sie unser Leiden anerkennen“, sagte Thin Thin Hlaing, eine Rohingya-Menschenrechtsaktivistin.
Das Militär in Myanmar war 2017 gewaltsam gegen die Rohingya vorgegangen. Etwa 850.000 Angehörige der staatenlosen muslimischen Minderheit leben seitdem in überfüllten Flüchtlingslagern in Bangladesch. Rund 600.000 sind in Myanmar im südwestlichen Bundesstaat Rakhine verblieben. UN-Vertreter hatten bereits vor Jahren erklärt, die Gewalt zeige „Elemente eines Genozids“, und forderten eine internationale Untersuchung.
Verfahren durch Militärputsch erschwert
Ein Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof gegen Myanmar wegen Völkermords an den Rohingya wurde durch einen Militärputsch im vergangenen Jahr erschwert. Die De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi wurde dabei entmachtet und wegen zahlreicher angeblicher Vergehen zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Friedensnobelpreisträgerin steht selbst in der Kritik, weil sie das Vorgehen des Militärs gegen die Rohingya verteidigt hatte.
Die USA und die EU hatten wegen der anhaltenden Gewalt in Myanmar bereits ihre Sanktionen gegen die Militärmachthaber verschärft. Eine rechtliche Einstufung als Völkermord könnte weitere Sanktionen nach sich ziehen.
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21 März 2022
Myanmar: US-Regierung stuft Gräueltaten an Rohingya als Völkermord ein
Die USA haben die von Myanmar gegen die muslimische Rohingya-Minderheit verübte Gewalt als Völkermord eingestuft. Außenminister Blinken wolle die Entscheidung am Montag beim Besuch des Holocaust-Museums in Washington offiziell bekannt geben.
AFP
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